02.10.2026 5 Min. Lesezeit
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Wenn KI Code schreibt: Was wird in der Softwareentwicklung wirklich wichtig? 

KI schreibt Code, Low-Code macht Anwendungsentwicklung für immer mehr Menschen zugänglich und Agenten übernehmen zunehmend selbstständig Aufgaben. Software zu erzeugen wird damit einfacher. Doch was bedeutet das für professionelle Softwareentwicklung? Beim German Low-Code Day 2026 in Hannover zeigte sich: Je leistungsfähiger die Werkzeuge werden, desto wichtiger werden Prozessverständnis, Geschäftslogik, Architektur und die Fähigkeit, die richtigen Probleme zu lösen. 

Am 23. und 24. September kamen in Hannover Fachleute und Entscheider aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Technologiebranche zusammen. Veranstaltet wurde der German Low-Code Day von der Low-Code Association e. V. in Zusammenarbeit mit der Niedersachsen.next Digitalagentur und dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung. 

Das diesjährige Programm machte deutlich: Die Diskussion geht längst über Low-Code hinaus. Generative KI, Agentic AI und neue Formen der Softwareentwicklung verändern derzeit grundlegend, wie digitale Anwendungen entstehen. 

KI verändert die Softwareentwicklung 

Generative KI kann Code erzeugen, Anwendungen verändern und Entwickler bei immer mehr Aufgaben unterstützen. Gleichzeitig ermöglichen Low-Code-Plattformen auch Menschen ohne klassische Programmierausbildung, digitale Lösungen zu entwickeln. 

Dadurch verschiebt sich, wo der eigentliche Wert in der Softwareentwicklung entsteht. Das reine Schreiben von Code verliert relativ an Bedeutung. Dafür werden andere Fähigkeiten wichtiger: Prozesse verstehen, Anforderungen präzise formulieren, Geschäftslogik abbilden, geeignete Architekturen entwickeln und entscheiden, wo Automatisierung tatsächlich sinnvoll ist. 

Die zentrale Frage lautet deshalb immer weniger nur: Wie programmieren wir eine Anwendung? Viel wichtiger wird: Welches Problem wollen wir lösen und wie muss eine gute digitale Lösung dafür aussehen? 

Schneller entwickeln reicht nicht 

Dass Software leichter und schneller erstellt werden kann, bedeutet nicht automatisch, dass professionelle Anwendungen einfacher werden. 

Sicherheit, Datenschutz, Wartbarkeit, Schnittstellen oder Rollen und Rechte bleiben zentrale Anforderungen. Gerade bei Unternehmenssoftware und Anwendungen der öffentlichen Verwaltung entscheidet sich die Qualität nicht allein bei der Entwicklung, sondern über den gesamten Lebenszyklus. 

Ein Gedanke, der sich durch viele Diskussionen in Hannover zog: Was bei einer einzelnen Anwendung noch einfach erscheint, wird spätestens dann zur strategischen Aufgabe, wenn daraus zehn, fünfzig oder hundert Anwendungen werden. 

Dann braucht es Standards, klare Verantwortlichkeiten und eine Architektur, die mitwachsen kann. Auch Claudia Roth, Director Marketing DACH bei Thinkwise, griff diesen Punkt in ihrem Rückblick auf den Kongress auf. Wenn Software leichter entsteht, verlagert sich die Frage nach ihrem Wert. Geschäftsregeln, Prozesse, Fachwissen und die langfristige Beherrschbarkeit der Systeme gewinnen an Bedeutung. 

KI-Agenten brauchen gute Prozesse 

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung beim Thema Agentic AI. KI-Agenten können Aufgaben zunehmend selbstständig bearbeiten und werden künftig stärker Bestandteil digitaler Geschäftsprozesse sein. Doch auch ein leistungsfähiger Agent benötigt einen definierten Handlungsspielraum, klare Rollen und Regeln dafür, wann Menschen eingebunden werden müssen. 

Damit rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das bei der Begeisterung für neue KI-Technologien leicht übersehen wird: der Prozess. Die Automatisierung eines einzelnen Arbeitsschrittes macht noch keinen guten digitalen Prozess. Erst wenn Menschen, bestehende Systeme, Low-Code-Anwendungen und KI sinnvoll zusammenspielen, entsteht ein echter Mehrwert. 

Low-Code als Werkzeug für eine handlungsfähige Verwaltung 

Gerade für die öffentliche Verwaltung bietet Low-Code dabei interessante Möglichkeiten. 

Dr. Alexander Georgiadis, Abteilungsleiter Digitalisierung im Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung und CIO des Landes Niedersachsen, beschrieb beim German Low-Code Day einen entscheidenden Vorteil: Mit Low-Code können auch Verwaltungsmitarbeitende digitale Anwendungen erstellen und Prozesse selbst abbilden. Das kann Tempo in die Digitalisierung bringen und Fachbereiche stärker an der Entwicklung beteiligen. 

Doch die Fähigkeit, Anwendungen selbst zu entwickeln, ist nur ein Teil der Gleichung. Niels Droste, Geschäftsführer der VISION Consulting GmbH, brachte in seinem Rückblick einen weiteren Aspekt ins Spiel: Low-Code und digitale Souveränität gehören eng zusammen. Organisationen müssen eigenes Know-how aufbauen, technologische Abhängigkeiten verstehen und Architektur von Anfang an mitdenken. 

Digitale Souveränität ist damit nicht allein eine Frage der eingesetzten Technologie. Sie ist auch eine Frage der eigenen Fähigkeiten. 

Mehr Möglichkeiten brauchen mehr Orientierung 

Genau darin liegt eine der vielleicht wichtigsten Erkenntnisse des German Low-Code Day 2026. Die Möglichkeiten, Software zu entwickeln, werden vielfältiger. Unternehmen und Verwaltungen können Standardsoftware einsetzen, individuelle Anwendungen programmieren, Low-Code-Plattformen nutzen oder Software mit Unterstützung generativer KI erzeugen. Häufig werden diese Ansätze miteinander kombiniert. 

Deshalb geht es künftig weniger um die Frage, welche einzelne Technologie sich durchsetzt. Entscheidend ist, für welches Problem welcher Ansatz geeignet ist und wie sich unterschiedliche Technologien sinnvoll miteinander verbinden lassen. 

Auch Anke Pörksen, Digitalisierungsstaatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung, stellte im Umfeld des Kongresses den Austausch zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Technologieanbietern in den Mittelpunkt. Neue Technologien entfalten ihren Wert nicht allein dadurch, dass sie existieren. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt und in bestehende Strukturen integriert werden. 

Der German Low-Code Day 2026 hat gezeigt, wie grundlegend sich Softwareentwicklung gerade verändert. Und vielleicht lässt sich die Entwicklung auf einen einfachen Gedanken bringen: 

Fazit: Je einfacher es technisch wird, Software zu erzeugen, desto wichtiger wird die Fähigkeit zu entscheiden, welche Software wir überhaupt brauchen. 

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