Vom Ahrtal lernen: Wie Batterietechnik den Katastrophenschutz stärkt
Niedersachsen.next besucht auf Einladung des DLR die RESITEK-Abschlussdemonstration in Altenahr
Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal demonstrierten Ende Juni 2026 Forschende, Hilfsorganisationen und Einsatzkräfte moderne Technologien. Diese sollen künftig helfen, Katastrophen besser zu bewältigen. Auf Einladung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nahm Niedersachsen.next teil. Themenmanager Michael Grube vertrat das Projekt TraWeBa bei der Abschlussdemonstration des Forschungsprojekts RESITEK in Altenahr.
Was ist das RESITEK-Projekt?
RESITEK steht für „Resiliente Technologien für den Katastrophenschutz“ und bringt die Expertise von 16 DLR-Instituten zusammen. In den vergangenen drei Jahren wurden Lösungen entwickelt, die Einsatzkräfte bei Hilfsmaßnahmen unterstützen sollen – darunter Drohnen, KI-gestützte Bildanalyse, Robotik und bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen. Die Abschlussdemonstration zeigte die Technologien in einem realitätsnahen Szenario. Simuliert wurde eine Hochwasserlage mit Starkregen, steigenden Pegelständen und überfluteten Gebieten. Das Szenario orientierte sich an den Ereignissen im Ahrtal 2021.
Neben dem DLR waren auch operative Partner wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Bayerische Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk (THW) beteiligt. Auf einem ehemaligen Sportplatz in Altenahr entstand so ein groß angelegtes Übungsfeld, auf dem Forschung, Rettungsorganisationen und Katastrophenschutzbehörden unmittelbar zusammenkamen.
Präsentierte Technologien
Im Mittelpunkt stand eine digitale Lageplattform. Sie führte Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen und unterstützte Einsatzkräfte in Echtzeit in den drei Phasen des Katastrophenmanagements: Lageerfassung, Einsatzplanung und Einsatzdurchführung.
Das Projekt verarbeitete Satellitenbilder, Drohnenaufnahmen und Sensordaten zu einem umfassenden Lagebild. Künstliche Intelligenz (KI) hilft dabei, Schäden schneller zu erkennen und Veränderungen der Situation laufend zu bewerten. Ergänzt wird die Plattform durch intelligente Routing-Systeme für Einsatzfahrzeuge sowie Technologien zur Überwachung und Absicherung kritischer Energieinfrastrukturen.
Besonders eindrucksvoll war dabei das Zusammenspiel verschiedener autonomer und ferngesteuerter Systeme. Drohnen übernahmen die Aufklärung aus der Luft und lieferten Live-Bilder aus schwer zugänglichen Gebieten. Am Boden kamen Spezialfahrzeuge wie der Geländewagen SHERP oder der Scout Rover zum Einsatz, die auch in zerstörter Infrastruktur bewegungsfähig bleiben.
Die Perspektive von TraWeBa: Energie, Mobilität und Resilienz
Für das Projekt TraWeBa, das sich mit Transformationsprozessen in der Wertschöpfungskette Batterie beschäftigt, bot die Demonstration wertvolle Einblicke in neue Anwendungsfelder der Batterietechnologie im Katastrophenschutz. Dabei standen insbesondere zwei Aspekte im Fokus.
Zum einen zeigte sich die entscheidende Rolle leistungsfähiger Energiespeicher in Drohnen und Robotik. Gerade in Katastrophengebieten sind lange Einsatzzeiten gefragt, während Ladeinfrastrukturen häufig beschädigt oder gar nicht verfügbar sind. Die Reichweite und Zuverlässigkeit batteriebetriebener Systeme werden damit zu einem zentralen Faktor für die Einsatzfähigkeit moderner Rettungstechnologien.
Zum anderen rückte das Thema bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen in den Fokus. Mehrere Demonstrationen verdeutlichten, wie Elektrofahrzeuge künftig nicht nur Mobilität bereitstellen, sondern auch als dezentrale Energiespeicher dienen können. Im Ernstfall könnten sie mobile Einsatzleitungen, Sanitätsstationen oder Kommunikationsinfrastrukturen mit Strom versorgen.
In Kombination mit Mobilitätsdaten erfasst das Projekt zudem, wo verfügbare Energiereserven vorhanden sind und wie diese für die Notstromversorgung im Katastrophenschutz gezielt eingesetzt wird.
Zentrale Erkenntnisse für TraWeBa
Für Niedersachsen.next liefert der Besuch im Ahrtal wichtige Impulse für die weitere Arbeit im Projekt TraWeBa, insbesondere um neue Anwendungsfelder für Batterietechnologien zu erschließen.
- Die Batterieleistung in mobilen und luftgestützten Systemen bleibt ein entscheidender Faktor für Einsatzreichweite und Wirksamkeit
- Bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen stellt eine praxistaugliche und skalierbare Lösung für die dezentrale Notstromversorgung dar
- Die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und operativen Partnern wie Feuerwehr, DRK und THW ist unerlässlich, um Technologie in einsatzfähige Lösungen zu überführen.
Solche Übungen und Präsentationen vermitteln Einblicke in parallele Entwicklungen, bieten Gelegenheiten zum Vergleich verschiedener Ansätze und schaffen direkten Zugang zu den Erkenntnissen von Teams, die an der Spitze von Katastrophenschutz-Technologien arbeiten.
Das Ahrtal bleibt dabei ein eindringlicher Erinnerungsort. Gleichzeitig wurde in Altenahr sichtbar, wie Batterietechnologien, Elektromobilität, Drohnen und digitale Lagebilder dazu beitragen können, Gesellschaften besser auf zukünftige Krisen vorzubereiten – und wie Forschung, Wirtschaft und Einsatzorganisationen gemeinsam an belastbaren Lösungen arbeiten.
Kontakt
Bei Fragen zu Batterietechnologien im Katastrophenschutz stehen die Themenmanager Michael Grube (m.grube@nds.de) und Luis Peters (l.peters@nds.de) zur Verfügung. Weitere Informationen zum Projekt RESITEK finden Sie auf den Webseiten des DLR.








