Versorgung vor Ort sichern: Niedersachsen verstetigt Förderung für Regionale Versorgungszentren
Hausarzt, Pflege, Beratung und vielleicht noch ein Café – und das alles an einem Ort: Regionale Versorgungszentren (RVZ) sollen die Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen Niedersachsens stärken. Nach einer erfolgreichen Modellphase wird die Förderung nun dauerhaft fortgeführt. Dafür stellt das Land seit 2026 jährlich 2,5 Millionen Euro bereit.
Wenn der Weg zur Hausarztpraxis weit ist, Angebote für Pflege und Beratung fehlen oder der Ortskern immer leerer wird, geht es um mehr als einzelne Versorgungslücken. Es geht um die Frage, wie attraktiv und lebenswert ländliche Regionen auch in Zukunft bleiben können.
Mit den Regionalen Versorgungszentren setzt Niedersachsen deshalb auf einen Ansatz, der medizinische Versorgung und weitere Angebote der Daseinsvorsorge an einem zentralen Ort zusammenbringt. Nach Abschluss der Modellphase wird die Förderung nun landesweit verstetigt. Seit dem 1. September 2026 gilt die neue Niedersächsische Förderverordnung Regionale Versorgungszentren (NFöVO-RVZ).
„Eine verlässliche Daseinsvorsorge ist entscheidend für die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit unserer ländlichen Räume. Die Herausforderungen sind dabei von Region zu Region unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, den Kommunen den nötigen Gestaltungsspielraum für passgenaue Lösungen zu geben […]“, sagte Melanie Walter, Ministerin für Europa und Regionale Landesentwicklung.
Mehr als ein Versorgungszentrum
Im Kern steht ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit hausärztlicher Versorgung. Doch ein RVZ soll bewusst mehr sein: Je nach Bedarf vor Ort können beispielsweise Tagespflege und Beratungsangebote, Ergo-, Logo- oder Physiotherapiepraxen sowie Cafés oder Multifunktionsräume für Vereine und Veranstaltungen hinzukommen.
Damit entstehen Orte, an denen unterschiedliche Generationen zusammenkommen und verschiedene Angebote des täglichen Lebens gebündelt werden. Welche Bausteine gebraucht werden, entscheiden die Kommunen selbst – denn die Anforderungen unterscheiden sich von Region zu Region.
Ein Baustein gegen den Hausärztemangel
Der Handlungsdruck ist groß: Nach der aktuellen Ärzteprognose der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen müssen bis 2040 zwischen 50 und 90 Prozent der hausärztlichen Sitze nachbesetzt werden. Gerade in ländlichen Regionen können Regionale Versorgungszentren dazu beitragen, medizinische Angebote langfristig zu sichern.
Dabei geht es auch um neue Formen der Organisation. Durch die kommunale Trägerschaft und die Bündelung verschiedener Angebote können Kommunen ihre regionale Versorgungsstruktur aktiv mitgestalten – und dabei auf die konkreten Bedürfnisse ihrer Bevölkerung reagieren.
2,5 Mio. Euro für neue Zentren
Mit der Verstetigung der Förderung schafft Niedersachsen dafür langfristige Rahmenbedingungen. Das Land stellt ab 2026 jährlich 2,5 Millionen Euro für Regionale Versorgungszentren bereit.
Gefördert werden können unter anderem die Planung und Errichtung eines RVZ sowie Personalaufwendungen in den ersten beiden Betriebsjahren. Das Land übernimmt bis zu 85 Prozent der förderfähigen Ausgaben, maximal 1,2 Millionen Euro je Versorgungszentrum. Auch die Entwicklung eines Konzepts kann mit bis zu 50.000 Euro unterstützt werden.
Interessierte Kommunen werden bei der Entwicklung und Umsetzung von den Ämtern für regionale Landesentwicklung beraten und begleitet. Der nächste Antragsstichtag ist der 30. Oktober 2026.
Vom Modell zur landesweiten Lösung
Dass Niedersachsen die Förderung nun verstetigt, ist das Ergebnis einer mehrjährigen Modellphase. Seit 2021 wurden insgesamt 13,5 Millionen Euro in Machbarkeitsstudien und Projekte investiert. Fünf Regionale Versorgungszentren sind inzwischen in Betrieb, vier weitere befinden sich im Aufbau. Dazu gehören Standorte in der Wesermarsch, im Auetal, an der Wurster Nordseeküste, im Leinebergland und in Baddeckenstedt sowie neue Projekte unter anderem in Südheide, Gnarrenburg und auf Borkum.
Die Erfahrungen aus diesen Projekten zeigen: Gute Daseinsvorsorge im ländlichen Raum muss nicht überall gleich aussehen. Entscheidend ist, dass Kommunen die Möglichkeit haben, Lösungen zu entwickeln, die zu ihrer Region passen.
Lebensqualität braucht Nähe
Ein Arztbesuch, eine Beratung zur Pflege, Physiotherapie oder ein Treffen im Café – was auf den ersten Blick nach ganz unterschiedlichen Angeboten klingt, kann an einem Ort zusammenfinden. Genau darin liegt die Idee der Regionalen Versorgungszentren: Versorgung soll dort stattfinden, wo die Menschen leben.
So können RVZ nicht nur dazu beitragen, medizinische Angebote zu sichern. Sie schaffen zugleich neue Anlaufstellen, Begegnungsorte und Strukturen für den Alltag. Damit werden sie zu einem Baustein für eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge – und für die Lebensqualität in den ländlichen Regionen Niedersachsens.