Sechs Themen – ein vernetztes CleanTech-Ökosystem in Niedersachsen
Rund 180 Menschen, sechs Zukunftsthemen und jede Menge Verbindungen: Beim CleanTech Sommerfest Niedersachsen am 16. September im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen in Hannover kamen Unternehmen, Startups, Forschungseinrichtungen, Verbände, Netzwerke, Politik und Verwaltung zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei eine zentrale Frage: Wie wird aus innovativer Technologie möglichst schnell wirtschaftliche Wertschöpfung?
Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf die Chancen des Wandels:
„Jede industrielle Transformation war und ist immer auch eine Zeit neuer Chancen. Neue Technologien eröffnen neue Märkte. Neue Märkte schaffen Raum für neue Unternehmen. Und dort, wo Unternehmen erfolgreich wachsen, entstehen Beschäftigung, Wohlstand und Wertschöpfung.“
Sechs Themen formen ein gemeinsames Bild
Wie breit und vielfältig CleanTech in Niedersachsen aufgestellt ist, zeigte sich in den sechs Sessions des Sommerfests:
Dass Wasserstoff längst mehr als ein Zukunftsversprechen ist, wurde im Panel „Energieinfrastruktur der Zukunft“ deutlich. Die vorgestellten Ansätze reichten von Wasserstoff-Drehscheiben und dem Aufbau entsprechender Netze bis zur Anbindung industrieller Abnehmer. Auch Speicherlösungen und flexible Formen der Energieerzeugung spielten eine Rolle.
Wie sich strategisch wichtige Rohstoffe länger im Wirtschaftskreislauf halten lassen, stand bei „Ressourcen im Kreislauf“ im Fokus. Beispiele aus dem Batterierecycling und KI-gestützte Verfahren zeigten, wie neue Technologien dazu beitragen, Recyclingprozesse effizienter zu gestalten und wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen.
„Mobilität neu vernetzt“ nahm unterschiedliche Wege zu einer klimafreundlicheren Mobilität in den Blick. Intelligente Ladeinfrastruktur, maritime Antriebskonzepte und synthetische Kraftstoffe zeigten dabei die Bandbreite möglicher Lösungen – je nach Anwendungsbereich mit unterschiedlichen technologischen Ansätzen.


Wie Energie- und Rohstoffsysteme auch unter besonderen Belastungen stabil bleiben können, wurde in der Session „Resiliente Energie- und Rohstoffsysteme“ diskutiert. Die Beispiele reichten von der Notfallkoordination im Stromnetz bis zur Frage, wie Kommunen ihre Energie- und Rohstoffversorgung widerstandsfähiger aufstellen können.
Bei „Innovation erfolgreich skalieren“ stand der Weg von der Forschung in die Anwendung im Mittelpunkt. Neue Batterietechnologien, innovative Verfahren in der Materialverarbeitung und Lernfabriken zeigten, wie Forschungseinrichtungen, Startups und etablierte Unternehmen gemeinsam daran arbeiten, Innovationen in die industrielle Praxis zu bringen.
Bei „Digitale Zukunft der Energie“ richteten die Teilnehmenden den Blick schließlich auf die Rolle digitaler Technologien für die Energiewende. Digitale Wasserstoffinfrastrukturen, automatisierte Recyclingprozesse und datenbasierte Anwendungen machten deutlich, wie Digitalisierung Energie- und Ressourcensysteme effizienter, flexibler und intelligenter gestalten kann.
Entscheidend war also nicht der Blick auf einzelne Themen, sondern auf ihre Verbindungen: Energieinfrastruktur schafft die Grundlage für neue Mobilitätslösungen, Kreislaufwirtschaft sichert Ressourcen, Resilienz stärkt die industrielle Basis und Digitalisierung macht Systeme intelligenter. Erfolgreiche Skalierung bringt Innovationen schließlich in die Anwendung und auf den Markt.
„Die Energiewende wird nicht im Labor entschieden, sondern in der Praxis. Niedersachsen hat keinen Mangel an Ideen. Im Gegenteil: Wir haben die Technologien, die Unternehmen und die Forschung. Jetzt kommt es darauf an, daraus Investitionen, tragfähige Geschäftsmodelle sowie Wertschöpfung und Beschäftigung im Land zu entwickeln“, fasste Gunda Fahrenkrog, Fachbereichsleitern Energie bei Niedersachsen.next, den Grundgedanken hinter dem CleanTech Sommerfest zusammen:
Vernetzung wurde zum Veranstaltungsprinzip
Dieser Vernetzungsgedanke zeigte sich nicht nur in den Inhalten, sondern bereits im Format des Sommerfests. In insgesamt 18 Tandem- und Trio-Impulsen teilten sich unterschiedliche Akteur*innen die Bühne, brachten ihre jeweiligen Perspektiven zusammen und zeigten konkrete Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte. 51 Redner*innen präsentierten gemeinsame Projekte, innovative Technologien, neue Kooperationsansätze und vielversprechende Ausgründungen.
„Beim zentralen Treffen der CleanTech-Branche wurde sichtbar, welche Dynamik im niedersächsischen CleanTech-Ökosystem steckt“, sagte Dr. Oleksandr Gryshkov, Themenmanager Energie und Batterieexperte bei Niedersachsen.next. „Beim Sommerfest kamen rund 180 Gäste aus Industrie, Forschung und Politik zusammen, um Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Energie- und CleanTech-Ökosystems zu stärken.“
Von der Vernetzung zur Zusammenarbeit
Beim CleanTech Sommerfest wurden also nicht nur neue Kontakte geknüpft, sondern auch Erfolgsgeschichten aus bereits bestehender Netzwerkarbeit sichtbar gemacht: Beim Jahresnetzwerktreffen der Niedersachsen.next Automotive Agentur kamen Volkswagen und das niedersächsische Unternehmen ENNATECH AG miteinander ins Gespräch. Daraus resultierte eine gemeinsame Produktentwicklung: Für ein Bauteil in Autotüren entsteht ein Verbindungselement aus Kunststoff, für das ENNATECH einen neuen Rohstoff konzipiert hat.
Und auch beim Batterierecycling zeigt sich, wie aus Netzwerken langfristige Kooperationen entstehen können. H.C. Starck Tungsten Powders aus Goslar und RE.LION.BAT. Circular (heute der PreZero-Gruppe zugehörig) gehören zu den Akteuren rund um die Initiative „Batterierecyclingzentrum im Harz“. Was 2022 als Netzwerkinitiative angestoßen wurde, hat sich heute zu einem breiteren Ökosystem entwickelt, in dem neue Gespräche, Kooperationen und Projekte entstehen.

Von der Technologie in die Anwendung
Auch die Ausstellung machte die Bandbreite des niedersächsischen CleanTech-Ökosystems greifbar. Zu sehen waren unter anderem Lösungen von Nanolope für eine energieeffiziente Raumklimatisierung und von ioncentric für das Qualitätsmanagement von Batterien. Warden Robotics zeigte, wie KI und Robotik dabei helfen können, Brandrisiken frühzeitig zu erkennen. OFFIS wiederum stellte Konzepte für Edge-Rechenzentren vor, die ihren Energieverbrauch flexibel an die Anforderungen des Stromsystems anpassen können.
Wie aus technischen Lösungen neue Kreisläufe entstehen können, zeigten REWIMET mit Ansätzen zur Rückgewinnung strategisch wichtiger Metalle und BlattWerk mit dem Recycling ausgedienter Rotorblätter. Weitere Aussteller präsentierten Lösungen für klimafreundliche maritime Energiesysteme, den Einsatz von KI in industriellen Prozessen und immersive Technologien, die etwa bei der Planung und Visualisierung von Energieprojekten zum Einsatz kommen. Damit wurde die Verbindung der unterschiedlichen CleanTech-Themen auch abseits der Sessions sichtbar: Von der Batterie über Recycling und Digitalisierung bis zur Energieinfrastruktur ging es immer wieder um die Frage, wie aus technischen Innovationen konkrete Anwendungen und neue Wertschöpfung entstehen.
„Die Energiewende in Niedersachsen ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern gelebte Praxis – von der Wasserstoffregion Emsland bis zu innovativen Recyclingkonzepten für die Rohstoffwende“, machte Sebastian Koch, Themenmanager Energie bei Niedersachsen.next, deutlich. „Unser Land bringt mit seiner Energieerzeugung, den leistungsfähigen Hafenstandorten und einer starken industriellen Basis alles mit, um diesen Wandel wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten. Der entscheidende Vorteil dabei: Innovation entsteht dort, wo Kompetenzen, Technologien und Menschen zusammenkommen.“
Das CleanTech Sommerfest hat dafür einen Raum geschaffen, gezeigt, wie viel bereits entstanden ist und welches Potenzial in einem vernetzten CleanTech-Ökosystem Niedersachsen steckt.
Weitere Impressionen vom CleanTech Sommerfest
































































