LINGA Wochen in Lüneburg zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
Jung für alt – aus der Theorie in die Praxis: Studierende aus Niedersachsen entwickeln Website, Pflege-Startbox und digitale Plattform, die pflegenden Angehörigen den Lebensalltag erleichtern
Lüneburg, 26. Mai 2026 – Gemeinsam für das Alter forschen und über Generationen-Grenzen hinweg denken: Dass dabei Innovationen für pflegende Angehörige und praktische Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege herauskommen, haben die diesjährigen LINGA Wochen erneut unter Beweis gestellt. Das Projekt der Wirtschafts- und Innovationsagentur Niedersachsen.next hat in Lüneburg 57 Studierende aus vier Niedersächsischen Hochschulen mit Senior*innen, Angehörigen und Praxispartnern zusammengebracht. Im Ergebnis wurden drei Projekte für die Entlastung pflegender Angehöriger prämiert: Eine Website, die anhand von fünf Fragen in 30 Sekunden die passenden Hilfsangebote vermittelt, eine physische PflegeStart-Box, die u. a. mit „Was jetzt“- und Notfallkarten erste Schritte in die Pflegesituation erleichtert sowie eine Anwendung, die die Auslastung von Pflegediensten in den Fokus nimmt und Hilfsbedürftige mit Pflegekräften vernetzt.
57 Studierende aus vier Hochschulen und neun Fachrichtungen von sozialer Arbeit und Pflege über Architektur bis hin zu Wirtschaftsinformatik, zehn Teams, drei Sieger, ein Motto: „PfleGemeinsam – Pflegende An- und Zugehörige entlasten sowie Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ermöglichen“. Ein Thema, das die Menschen in Niedersachen quer durch die Gesellschaft betrifft. Die interdisziplinären Studierenden-Teams bei den LINGA Wochen hat es dazu angespornt, gute und innovative Lösungen sowie kreative Produktideen zu finden, um die Lebensqualität von Senior*innen und deren pflegenden An- und Zugehörigen zu steigern. Immerhin sind Deutschlandweit derzeit rund 5 Millionen Menschen pflegebedürftig. Davon werden rund 84 Prozent zu Hause versorgt, meist von Angehörigen und nahestehenden Personen. Die Mehrheit der 7,1 Millionen pflegenden Angehörigen und Nahestehenden ist gleichzeitig erwerbstätig. 50 Prozent der Teilzeitbeschäftigten haben die Arbeit wegen der häuslichen Care-Arbeit reduziert – mit allen Folgen, die das für spätere Rentenzahlungen haben kann.
Die Studierenden hatten sich erst zu Beginn der LINGA Wochen Anfang Mai kennengelernt und zu interdisziplinären Teams zusammengefunden, in denen jeweils verschiedene Fachrichtungen vertreten waren. Sie kamen mit Partner*innen aus Landkreis, Stadt, Selbsthilfe, Pflegeeinrichtungen, Arbeitgeberverband und Wirtschaftsförderung sowie Senior*innen und Angehörigen aus dem Landkreis Lüneburg zusammen. Bei einem Generationendialog wurden Herausforderungen identifiziert und Impulse von Mentor*innen und Betroffenen aufgenommen. Anschließend arbeiteten die Nachwuchs-Forschenden gut zwei Wochen lang an ihren innovativen Lösungen, die sie zum Abschluss der LINGA Wochen vor der fünfköpfigen Fachjury präsentierten.
Die besten Teams wurden ausgezeichnet und erhielten ein Preisgeld vom Arbeitgeber-Verband Lüneburg-Nordostniedersachsen e. V.
- Platz: PflegeBrücke Lüneburg – 1.500 €
Das Team hat eine Website entwickelt, über die man anhand weniger Fragen anonym, barrierefrei und kostenlos passgenaue Angebote für die persönliche Pflegesituation bekomm. QR-Codes zu der Seite sollen genau dort platziert werden, wo pflegende Angehörige unterwegs sind: in Apotheken, Arztpraxen, Krankenhäusern und Unternehmen. Zunächst für den Landkreis Lüneburg entwickelt, wäre das Projekt skalierbar und auf andere Landkreise übertragbar. - Platz: PflegeStart – 1.000 €
Die physische PflegeStart-Box soll den häufig unvorbereiteten Angehörigen im „Pflege-Schock“ schnell und einfach Hilfe leisten. Eine Was-Jetzt-Karte erklärt in fünf Schritten, was zu tun ist, ergänzt wird sie durch Notfallkarten, Vollmacht-Vordrucke, eine Pflegegrad-Antrag, ein Pflege-Tagebuch – und eine Website mit Chatbot-Funktion. Ausgegeben werden sollen die Boxen bei Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern, also genau dort, wo pflegende Angehörige unterwegs sind. - Platz: spontio – 500 €
Pflegenden Angehörigen im Alltag mehr Freizeit verschaffen, und Pflegedienste effektiver auslasten, dieses Ziel hat spontio. Mithilfe der Anwendung sollen Zeitslots, die durch Leerläufe bei Pflegefahrten entstehen, gezielt an Hilfsbedürftige und deren Angehörige vermittelt werden – dank detaillierten Profilen und Bewertungssystem passgenau für beide Seiten. Erste Pflegedienste haben bereits Interesse bekundet.
Abgesehen von dieser Prämierung waren die LINGA Wochen für die Studierenden eine gute Gelegenheit, abseits der Theorie an praktischen Problemen vor Ort zu arbeiten und Kompetenzen für ihr Berufsleben zu sammeln. Und bekanntermaßen entstehen die besten Innovationen, wenn man die Perspektive wechselt.
Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. Für Staatssekretärin Christine Arbogast bietet die Veranstaltung einen Mehrwert für alle Generationen und Partner: „Die diesjährigen LINGA Wochen haben gezeigt, wie aus Theorie ganz konkrete Unterstützung für die Praxis werden kann. Pflegende Angehörige leisten jeden Tag Enormes. Gleichzeitig stehen viele von ihnen vor der Herausforderung, Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren. Deshalb brauchen wir kreative, praxisnahe Lösungen – und Menschen, die bereit sind, neue Wege zu denken. Ich danke deshalb allen Teilnehmenden für ihr beeindruckendes Engagement und wünsche weiterhin viel Inspiration und Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit.“
Lüneburgs Erste Kreisrätin Yvonne Hobro war zum zweiten Mal Jurymitglied und sprach den Studierenden ihren Respekt und Dank für die Arbeit und innovativen Ideen aus:“Die Pitches haben gezeigt, dass Pflege Unterstützung und Sichtbarkeit braucht. Wir müssen den Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind.“
Wiebke Krohn, stellv. Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeber-Verbands Lüneburg-Nordostniedersachsen betonte die Bedeutung von Empowerment und Business Education und beglückwünschte die Studierenden zur Entwicklung, die sie innerhalb von zwei Wochen vollzogen hätten „Alle Ideen haben das Potenzial, skaliert zu werden. Denn gute Ideen setzen sich immer durch. Nutzen Sie Förderangebote für soziale Innovationen und machen Sie weiter.“
Hintergrund zur LINGA und den LINGA Wochen
Was sind die LINGA Wochen?
Unter dem Motto „Der Nachwuchs forscht für das Alter” tritt die LINGA seit 2010 mit den LINGA Wochen an niedersächsische Universitäten und Hochschulen heran: Bis zu fünfzig Studierende arbeiten in kleinen Teams hochschulübergreifend und interdisziplinär an zukunftsrelevanten Themen im Bereich des demografischen Wandels. Die beteiligten Fachbereiche reichen von Gerontologie und Sozialer Arbeit bis hin zu Stadt- und Regionalmanagement, Informatik, Pflege und Architektur.
Ausführliche Informationen (mit Imagefilm) unter https://linga.nds.de/linga-wochen/
Was ist die LINGA?
Die LINGA (Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag) sensibilisiert ressortübergreifend für die sozialen und wirtschaftlichen Chancen im demografischen Wandel. Im Fokus steht dabei der Alltag von älteren Menschen, die noch zuhause leben. Zugleich geht es um mehr Lebensqualität – nicht nur im Alter – durch soziale Innovationen für alle Generationen. Der Schwerpunkt der operativen Arbeit liegt in der Sensibilisierung von Multiplikatoren aus Kommunen, Kammern/Verbänden, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie in der Projektinitiierung. Das Angebot reicht von der Unterstützung bei der Veranstaltungsplanung über Vorträge und die Vernetzung von Partner*innen bis hin zu kostenlosen Foren mit regionalem Bezug.