Mykoprotein: Ein neuer Baustein für die Proteinversorgung der Zukunft
Was heute noch ungewöhnlich klingt, könnte schon bald auf vielen Tellern landen: Protein aus Pilzen. Genauer gesagt aus dem Myzel – dem fadenförmigen Wurzelwerk der Pilze. Mithilfe von Fermentation lässt sich daraus Mykoprotein herstellen, eine alternative Proteinquelle mit bemerkenswerten Eigenschaften. Im Vergleich zu vielen pflanzlichen Fleischalternativen überzeugt es durch ein vollständiges Aminosäureprofil, einen hohen Ballaststoffgehalt und eine natürlich faserige Struktur, die Fleisch sehr nahekommt. Für die Herstellung werden zudem deutlich weniger Ressourcen benötigt als für die konventionelle Fleischproduktion und kann auf vorhandenen industriellen Fermentationsprozessen aufbauen.
Trotz des großen Potenzials steht die Branche noch vor Herausforderungen. Neben regulatorischen Anforderungen wie dem europäischen Novel-Food-Verfahren müssen Produktionskapazitäten aufgebaut und Verbraucherinnen und Verbraucher stärker für diese neue Produktkategorie begeistert werden. Die jüngsten Fortschritte bei Zulassungen (vegconomist) und Investitionen zeigen jedoch, dass Mykoprotein zunehmend den Sprung vom Zukunftskonzept in den Massenmarkt schafft.
Niedersachsen als Chancenregion
Niedersachsen bringt ideale Voraussetzungen für den Aufbau einer starken Mykoprotein-Wirtschaft mit:
- starke Agrar- und Ernährungswirtschaft
- große Mengen verfügbarer Nebenströme
- industrielle Infrastruktur
- leistungsfähige Forschungslandschaft
- etablierte Lebensmittelunternehmen
- logistisch gut angebundene Standorte
Das Zusammenspiel dieser Faktoren schafft hervorragende Bedingungen für die industrielle Biomassefermentation und die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten.
Das Startup Kynda zeigt bereits heute, wie dieses Potenzial genutzt werden kann. Das Unternehmen produziert Myzelprotein auf Basis von Lebensmittel-Nebenströmen wie Soja-Okara und verfolgt damit einen konsequent zirkulären Ansatz. Mit der Eröffnung eines industriellen Fermentationsstandorts im niedersächsischen Jelmstorf und der Beteiligung der PHW-Gruppe, dem größten Unternehmen der Geflügelwirtschaft in Deutschland, konnte Kynda wichtige Meilensteine auf dem Weg zur kommerziellen Skalierung erreichen. Das Unternehmen steht damit exemplarisch für eine neue Generation von Bioökonomie-Start-ups, die Innovation, Ressourceneffizienz und regionale Wertschöpfung miteinander verbinden.
Deep Dive Mykoprotein beim RootCamp
Die Dynamik im Bereich Mykoprotein zeigt, dass pilzbasierte Proteine zunehmend von einer Nischeninnovation zu einem relevanten Baustein der globalen Proteinversorgung werden.
Aber welche Technologien werden sich durchsetzen? Welche regulatorischen Entwicklungen stehen bevor? Und welche Chancen ergeben sich daraus für Niedersachsen? Diese und weitere Fragen stellt das RootCamp im Deep Dive „Mycoprotein“ am 3. September Expert*innen aus Industrie, Forschung und Start-up-Ökosystem. Möchten Sie Ihr Wissen mit Einbringen? Nähere Informationen zur Teilnahme finden Sie hier.