Drei Personen stehen vor einem Monitor und einer Schautafel.
23.03.2026 5 Min. Lesezeit
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LINGA.konkret: Wie Technologien fürs Alter wirklich ankommen

Nachlese zu LINGA.konkret vom 19. März 2026

Bei Niedersachsen.next bringen wir diejenigen zusammen, die sonst nicht zueinander gefunden hätten. Getreu diesem Motto lud die LINGA gemeinsam mit VDI/VDE Innovation + Technik am 19. März 2026 unterschiedlichste Akteursgruppen zu „LINGA.konkret“ nach Hannover ein. Das Ergebnis war eine Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern, gespickt mit Impulsen aus EU-Förderung, Forschung, kommunalen Angeboten und unternehmerischer Sichtweise.

Mit klarer Erwartungshaltung und Transfer-Fokus

LINGA-Projektleitung, Delia Balzer, moderierte durch den Nachmittag, öffnete Köpfe für das Thema und brachte neben eigenen Erfahrungen auch neue Sichtweisen mit ein. Bereits seit 2010 beschäftigt sich die LINGA mit dem Thema #Ambient Assisted Living (#AAL). Das initiierte ZIM-Nemo Netzwerk GENIAAL Leben (2011 – 2014) war sogar das bis dato bundesweit größte, unternehmensgetriebene Netzwerk. Und doch wird immer noch diskutiert. Liegt das vielleicht nicht an der Technik, sondern an der Wahrnehmung vom Alter(n)?

Technische Innovationen und digitale Hilfsmittel sind gut und existenziell für die Versorgungsituation älterer Menschen und können ihr Leben einfacher und sicherer machen. Doch die Technik allein hilft nicht, vielmehr ist es auch die menschliche Interaktion, die beispielsweise Einsamkeit bekämpft. Daher muss die Erwartungshaltung an die Digitalisierung klar sein und bei der Entwicklung von Technologien fürs Alter die Perspektiven aller zu Grunde gelegt werden.  In Richtung Politik ging der Wunsch, nicht mehr mit der „Projekt-Gießkanne“ zu fördern, sondern den Fokus auf den Transfer zu setzen. Und es braucht Zeit, bis Innovationen im Markt/im Alltag ankommen. Das ist das Fazit der Teilnehmenden von „LINGA konkret“, unserem transdisziplinären Austauschformat, bei dem es diesmal darum ging, wie technologische Neuerungen fürs Alter auch wirklich bei den Menschen ankommen.

Nur „Mitreden“ genügt nicht: Partizipation als Schlüssel zum Erfolg

Ein gemeinsames Verständnis für Technologie und ihren Nutzen ist die Basis, darüber waren sich alle Teilnehmer*innen einig. Hierfür braucht es geschützte Räume zum Informieren und Ausprobieren – Beratung auf Augenhöhe. Wenn Senior*innen erkennen, dass assistive Technologien ihnen im Alltag einen Mehrwert bringt, zeigen sie sich offen und probieren aus. Andersherum müssen Entwickler*innen lernen, was die Nutzer*innen im Alltag wirklich brauchen und was Herausforderungen der häuslichen Pflege sind.

Inspirierende Vorträge kamen von Dr. Julian Stubbe und Maxie Lutze von VDI/VDE Innovation + Technik. Dr. Stubbe erläuterte, wie digitale Innovationen fürs Alter den Sprung in die Praxis schaffen. Für ihn stellt die „Pilotitis“ im Bereich Digitalisierung und Alter eine besondere Herausforderung dar. Er stellte spannende Ergebnisse des AAL Europe – Impact Assessment vor, eine quantitative Umfrage von 52 EU-geförderten Kooperationsprojekten (ab 2019). Fazit: Es braucht einen langen Atem bei der Markteinführung und der Innovationsprozess ist nicht linear: Technik und Märkte verändern sich, Zielgruppen werden angepasst.

Lutze betonte die Rolle der Partizipation im Innovationsprozess. Diese erhöhe Relevanz und Usability innerhalb der Pflegepraxis. Forschungsprojekte sind sehr Technologie lastig, und treffen in der Anwendung auf unterschiedlichste Lebensrealitäten – nicht nur bei den Endnutzer*innen, auch beim Pflegepersonal. Jedoch ist Partizipation ein Prozess, nur „Mitreden“ genügt nicht.

So gelingt’s: Beispiele aus der Praxis

Impulse aus der Praxis kamen unter anderem von Patrick Ney, Digi-Scout Fachbereich Senioren der Landeshauptstadt Hannover. Dort werden seit langem Technologielotsen ausgebildet, Expert*innen im Ruhestand, die Hilfsbedürftigen in ihrer Altersgruppe Innovationen näherbringen. Eine smarte Musterwohnung stellt Assistenzsysteme aus und lädt zum Ausprobieren ein. Seit 2025 bündelt der digital.KIOSK Anlaufstellen und Beratung für Hannover. Übrigens öffnen analoge Tablet-Schulungen oft den Zugang zu anderen Technologien. Zögerlich sind ältere Menschen jedoch noch bei der Anwendung von technischen Produkten der „3.Generation“ wie Robotik und Künstliche Intelligenz (KI). Jedoch gilt auch hier: der Nutzen im Alltag muss ersichtlich sein und in wertschätzender Atmosphäre Produkte zum Ausprobieren ausstellen. Die Neugierde für Technologie ist da, aber bei den Zugängen braucht es Begleitung.

Wie KI die Pflegezukunft verändern kann, machte Dr. Rainer Planinc von cogvis aus Österreich deutlich. Sein Produkt adressiert zwei Perspektiven: zum einen die Pflegebedürftigen mit ihrem Wunsch nach Sicherheit und der Angst, zu Hause zu stürzen. Und zum anderen die Pflegenden mit der Unsicherheit und den Selbstvorwürfen, nicht da zu sein, wenn ihre Hilfe gebraucht wird. Cogvis nimmt daher die Sturzerkennung und -prävention in den Fokus: Ein Infrarotsensor misst Entfernungen im Raum, erkennt Bewegungen und visualisiert mittels 3D-Daten Gefahrensituationen, um im Notfall Alarm zu schlagen – ein Monitoring ohne datenschutzbedenkliche Kamerabilder. Der Zugang zum B2B Markt (Pflegeheime) ist zwar leichter, aber der Privatmarkt ist interessant. Pflegende Angehörige und Anbieter von Notruf-Systemen könnten hierbei das Einlass-Tor in diesen wachsenden Zukunftsmarkt sein. 

Nach ihren Wünschen für die Zukunft in der ambulanten Pflege gefragt, sprachen sich die Teilnehmenden für eine Verstetigung und Differenzierung von Fördermitteln aus. „LINGA.konkret“ wurde als gewinnbringendes Format wahrgenommen, das vielfältige Perspektiven und Akteur*innen zusammenbringe, reflektiere und inspiriere.

Wir freuen uns darauf, in diesem starken Netzwerk weiterhin sinnvolle Lösungen für den generationengerechten Alltag zu erarbeiten. Ein herzliches Dankeschön den Referierenden und allen Gästen für die anregenden Diskussionen.

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