Life Science Dialog 2026: Wie KI industrielle Prozesse smarter macht
Von der Automatisierung über intelligente Produktionsprozesse bis hin zu regulatorischen Anforderungen: Beim Life Science Dialog 2026 in Hannover am 18.08.2026 diskutierten Expert*innen, wie Künstliche Intelligenz die industrielle Wertschöpfung im Life-Science-Bereich verändert – und was es braucht, damit aus technologischen Möglichkeiten ein konkreter Nutzen entsteht.
Wie kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, Produktionsprozesse effizienter, resilienter und intelligenter zu gestalten? Und welche Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen, damit KI tatsächlich Wertschöpfung erzeugt? Diese Fragen standen am 18. August beim zweiten Life Science Dialog in Hannover im Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Verband der Chemischen Industrie Landesverband Nord e. V. (VCI Nord) und dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa) brachte Niedersachsen.next BioRegioN Akteur*innen aus Pharma, Biotechnologie und Wissenschaft zusammen.
Eröffnet wurde der Dialog unter dem Titel „KI als Katalysator smarter Industrieprozesse“ von Dr. Lena Oesterlin-Meret und Dr. Yvonne Reinke von Niedersachsen.next BioRegioN sowie Andrea Becker vom VCI Nord. Dabei wurde deutlich: KI ist längst nicht mehr nur ein Zukunftsthema, sondern verändert bereits heute industrielle Prozesse und die Art und Weise, wie Unternehmen Wertschöpfung organisieren. Deshalb richtete das Event den Blick auf konkrete Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen in der industriellen Praxis – von Automatisierung und Produktionsmanagement bis hin zu Qualitätskontrolle, Prozessoptimierung und Predictive Maintenance.
Von Daten zu Entscheidungen
Den Auftakt aus der Praxis machte Esther Henoch, Account Managerin Life Sciences bei Emerson Process Management, mit einem Blick auf die zunehmende Bedeutung datenbasierter Entscheidungen in der Life-Science-Automatisierung. KI eröffnet hier neue Möglichkeiten: Daten können in Echtzeit ausgewertet, Muster erkannt und Prozesse dadurch dynamischer gesteuert werden.
Gleichzeitig wird deutlich, wie grundlegend die Veränderungen sind: „Das Morgen ist von einer enormen Komplexität geprägt, die Unternehmen managen müssen“, so Henoch. KI erfolgreich einzusetzen, bedeute deshalb weit mehr, als einzelne Prozesse mit einer neuen Technologie auszustatten. „Ganze Unternehmen müssen umgebaut werden, um KI wirklich wertschöpfend einzusetzen.“
Auch Prof. Dr.-Ing. habil. Matthias Schmidt, CEO der DeepIng Business Solutions GmbH, stellte die Potenziale intelligenter Produktionsprozesse in den Mittelpunkt. KI könne dabei helfen, Produktionsabläufe effizienter und resilienter zu gestalten und die industrielle Wertschöpfung stärker datengetrieben auszurichten.
Zwischen Innovationsdynamik und Regulierung
Dass technologische Möglichkeiten im Life Science Umfeld immer auch mit besonderen Anforderungen verbunden sind, zeigte Dr. Simona Riedel, Managerin Manufacturing beim vfa. Ihr Impuls beleuchtete das Spannungsfeld zwischen Innovationsdynamik und den Anforderungen der Good Manufacturing Practice (GMP). Gerade in einem stark regulierten Umfeld stellt sich damit die Frage, wie Innovation ermöglicht werden kann, ohne notwendige Standards und Sicherheitsanforderungen aus dem Blick zu verlieren. Riedels zentrale Botschaft: „Technologie erweitert unsere Möglichkeiten – Expertise macht sie verantwortungsvoll nutzbar.“
Damit rückte eine entscheidende Voraussetzung für den erfolgreichen KI-Einsatz in den Fokus: Nicht die Technologie allein entscheidet über ihren Nutzen. Es braucht Menschen mit der entsprechenden Expertise, die Ergebnisse einordnen, Risiken bewerten und Verantwortung übernehmen können.
KI in der Pharma-Produktion: Praxis trifft Potenzial
Ein Best-Practice-Beispiel aus der Pharma-Produktion lieferte Dr. Christel Schwegmann-Weßels, Strategy Realization Lead bei Burgwedel Biotech.
Dabei wurde deutlich: KI entfaltet ihren größten Mehrwert dort, wo sie Menschen unterstützt – etwa indem relevante Signale schneller erkannt und dadurch fundiertere Entscheidungen getroffen werden können. Der Mensch bleibt dabei ein zentraler Bestandteil des Prozesses.
Was erfolgreiche KI-Transformation braucht
Über die einzelnen Anwendungsbeispiele hinweg kristallisierten sich beim Life Science Dialog einige zentrale Erfolgsfaktoren heraus. Daten müssen als strategische Assets verstanden werden. Gleichzeitig sollte der Ausgangspunkt nicht die Frage sein, welche Technologie eingesetzt werden kann, sondern welchen konkreten Geschäftswert sie schaffen soll. Ebenso entscheidend ist es, Mitarbeitende für den Umgang mit KI zu befähigen und die notwendige Expertise im Unternehmen aufzubauen. Eine erfolgreiche Transformation braucht dabei nicht nur einzelne Pilotprojekte, sondern einen klaren organisatorischen Rahmen und Unterstützung auf Führungsebene.
Damit wird KI zur strategischen Aufgabe: Unternehmen müssen ihre Prozesse, Strukturen und Kompetenzen mitdenken, wenn sie die Potenziale der Technologie tatsächlich ausschöpfen wollen.
Austausch als Schlüssel für Innovation
Der Life Science Dialog 2026 hat damit vor allem eines gezeigt: Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr nur, was KI technisch leisten kann, sondern wie Unternehmen ihre Möglichkeiten sinnvoll, sicher und wertschöpfend einsetzen. Dafür braucht es technologische Kompetenz ebenso wie hochwertige Daten, regulatorisches Know-how und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Vor allem aber braucht es den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Denn Innovation entsteht nicht allein durch Technologie. Sie entsteht dort, wo Erfahrungen geteilt, Fragen gestellt und unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht werden.
Wie Torsten Bathmann vom vfa zum Abschluss des Dialogs betonte:
Diskussion und Austausch sind unverzichtbar, denn nur wer Innovation dynamisch mitdenkt, bleibt ihr auch einen Schritt voraus!
Eindrücke vom Life Science Dialog 2026








