Transformation im Kunststoff – Wie KB Hein Nachhaltigkeit und Vernetzung neu denkt

Gestatten, Michelangelo aus der Familie Turtle: Kopf, Panzer, Beine mit glänzender und matter, glatter und strukturierter Oberfläche, makellos geformt und zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. Die Schildkröte, freundliches Maskottchen für Nachhaltigkeit, ist im Konstruktionsbüro Hein längst mehr als nur ein Demonstrator. Sie ist Symbol für Effizienz und Mut und Antwort auf die Frage, die in vielen mittelständischen Unternehmen mitschwingt: Wie gelingt Transformation, ohne die eigene Identität zu verlieren?


Um darüber zu sprechen, haben Niedersachsen.next Themenmanager Mobilität Dr. Mathias Rechel und Contentmanagerin Angela Sielaff die Brüder Alexander und Samir Hein in ihrem Büro in Neustadt am Rübenberge besucht. Zwischen Bauteilmustern und Spritzguß-Modellwerkzeug wird schnell klar: Dieses Familienunternehmen ist voller Ideen und hervorragend vernetzt.

Gründungsjahr: 1986

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 13

Marschstraße 25
31535 Neustadt am Rübenberge

Telefon: 05032 893791
E-Mail: info@kb-hein.de

Breit aufstellen, früh optimieren – und nie allein arbeiten

Gleich zu Beginn betont Alexander Hein, was den Wandel für ihr Unternehmen prägt: Breite statt Spezialisierung um jeden Preis. Hein konstruiert Werkzeuge und Bauteile für die Automobilindustrie, den Medizinbereich, Sicherheitstechnik, Elektronik und auch für die Spielzeugindustrie. Fast überall, sagt Alexander, seien heute Kunststoffbauteile im Einsatz – und ihre Expertise ist entsprechend gefragt.

Der Schlüssel dabei lautet: Probleme nicht erst lösen, wenn die Maschine steht. Mit dem Projekt „VORKON“ hat das Unternehmen ein Vorgehen etabliert, bei dem Bauteile in sehr frühen Entwicklungsphasen simuliert und optimiert werden. Fehler, die später teuer würden, ließen sich so vermeiden, erklären sie. Bindenähte, falsche Einspritzpunkte, zu große Wandstärken – typische Stolpersteine in der Produktentwicklung – werden im Idealfall verhindert, bevor sie überhaupt entstehen.

Samir Hein beschreibt es so: „Viele Probleme treten erst in der Musterung auf. Aber sie entstehen viel früher – beim Design.“ Genau hier sehen die Heins ihre Stärke: Jahrzehntelang gesammeltes Wissen aus der Werkzeugkonstruktion fließt direkt in die Produktentwicklung ein.

IsoForm: Energie sparen durch kluge Konstruktion

Die Brüder erzählen von IsoForm, ihrem eigenen Werkzeugkonzept, das nicht nur Bauteilqualität verbessert, sondern auch deutlich Energie spart. Der Clou dabei: Nur der konturgebende Bereich wird gezielt temperiert, der Rest bleibt kühl. Dadurch heizen Werkzeuge schneller auf, benötigen weniger Energie und kühlen rascher wieder ab.

Die Vorteile dabei zeigen sich in geringeren Zykluszeiten, niedrigeren Energiekosten, weniger Verschleiß und stabileren Produktionsprozessen. Hier kommt wieder Michelangelo ins Spiel. Die Schildkröte wurde im Rahmen eines Kooperationsprojekts gebaut, bei dem Unternehmen KraussMaffei Technologies, Contura MTC, Simpatec, Formconsult und Elix Polymers gemeinsam mit dem Konstruktionsbüro Hein an einem Ziel gearbeitet haben: Das Projekt Turtle zeigt, dass hochwertige Produkte aus Kunststoffrezyklaten problemlos möglich sind – und energieeffizient hergestellt werden können. Diese Botschaft richtet sich vor allem auch an die Automobilindustrie, die in Niedersachsen prägender Wirtschaftsfaktor ist.

Transformation braucht Vernetzung

Es ist ein Thema, das während des gesamten Gesprächs immer wieder auf den Tisch kommt: Vernetzung. Für ein kleines Unternehmen wie Hein – gerade einmal 13 Mitarbeitende – ist sie entscheidend. Die Heins kooperieren mit Instituten der Leibniz Universität Hannover, darunter dem LZH, IPH, PZH und dem IKK. Die Zusammenarbeit reicht von der Entwicklung neuer Technologien bis zu Forschungsprojekten rund um Nachhaltigkeit und effiziente Produktion.

Und auch innerhalb der Branche setzt das Konstruktionsbüro auf Austausch. Ihr Technologietag, den es seit 28 Jahren ausrichtet, vernetzt die komplette Wertschöpfungskette der Kunststoffverarbeitung – von Materialherstellern über Werkzeugbauer bis zu Maschinenbauern.

„Wenn Experten zusammenkommen, ist noch nie nichts dabei herausgekommen“, sagt Alexander Hein. Dieser Satz fasst gut zusammen, was ihn und sein Unternehmen antreibt: Gemeinsam lässt sich Transformation leichter gestalten als allein. Bescheiden und selbstbewusst sagt Samir Hein, dass sie als Hidden Champion gelten, der viel bewirkt – ohne großes Marketingbudget.

Was sie einzigartig macht? Die Kombination aus Familienbetrieb, hoher Fachkompetenz und flachen Hierarchien, die Fähigkeit, komplexe Prozesse ganzheitlich zu denken und der Wille, Wissen aktiv zu teilen. Transformation ist also vor allem auch eins: Eine Haltung.

Michelangelo, die Schildkröte, klemmt jetzt wieder im Spritzguß-Modellwerkzeug. Ihre mit Filzstift aufgemalte Brille zeigt, sie ist hellwach, und weist still darauf hin: Wer langsam, aber beständig vorausgeht – gut vernetzt, mutig und mit klarem Ziel –, kommt manchmal besser voran als die Schnellsten.

„Ich habe es bis jetzt noch nicht erlebt, dass, wenn Fachexperten aufeinandertreffen, nichts bei rauskam. Nur gemeinsam können wir unseren Markt stärken. Wir wollen früh genug optimieren. Sobald ein 3DTeil vorliegt, simulieren und optimieren wir, um frühzeitig zu verbessern, was nachher nicht mehr möglich ist. Mit unserer IsoForm-Methode für den Kunststoff-Spritzguß ist man deutlich schneller auf Verarbeitungstemperatur, kann die Prozesstemperatur effizienter halten und auch das Runterkühlen geht schneller. Man spart enorm viel Energie ein.“

– Alexander und Samir Hein

Mit Michelangelo demonstrieren Alexander Hein und Samir Hein ihre Unternehmensphilosophie, zeigen wie Zusammenarbeit und Vernetzung funktionieren, welche Vorteile ihre technologischen Entwicklungen VORkon und IsoForm bringen und haben so ein Symbol geschaffen – für Effizienz und Mut

Zwei Vortragende in einem Hörsaal, als Bildcollage

Motor für ein neues Verständnis von Alter und Impulse für eine generationengerechte Zukunft

Wie wollen wir in Zukunft altern – und was bedeutet das für Arbeit, Lebensräume und unser gesellschaftliches Miteinander? Der neue Podcast von Niedersachsen.next und der LINGA zeigt, warum das Age Forward Lab ein wichtiger Motor für ein neues Verständnis von Alter ist.

Das Alter ist im Wandel – und mit ihm die Frage, wie wir künftig leben, arbeiten und miteinander umgehen wollen. In der aktuellen Podcastfolge von Niedersachsen.next spricht Host Angela Sielaff mit Delia Balzer, Projektleiterin der LINGA – Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag, und Robert Eysoldt, Gründer der Age Bombs und Initiator des Age Forward Lab, über neue Perspektiven auf das Altern und die Ergebnisse des ersten Age Forward Lab in Niedersachsen.

Rund 50 Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Berufsgruppen kamen in Hannover zusammen, um über Arbeit, Übergänge, Kommunikation, Design und Lebensräume zu diskutieren. Ziel war es, eingefahrene Altersbilder aufzubrechen und Zukunftsideen zu entwickeln. „Wir müssen das Alter aus der Defizitperspektive befreien“, sagt Robert Eysoldt im Podcast. „Alter ist kein Problem – Alter ist eine Ressource.“

Warum wir neue Altersbilder brauchen

Im Gespräch wird deutlich, wie stark tradierte Vorstellungen von Alter unseren Alltag prägen. Altersstereotype und Ageismus betreffen dabei nicht nur ältere Menschen, sondern auch Jüngere, denen aufgrund ihres Alters Kompetenzen abgesprochen werden. Für Delia Balzer ist klar: „Wir brauchen ein neues Denken über das Alter(n), weil unsere Gesellschaft sonst an ihren eigenen Bildern scheitert.“

Gerade jetzt, da die sogenannte Babyboomer-Generation in den Ruhestand geht, zeigt sich, wie wichtig ein differenziertes Verständnis von Lebensphasen ist. Eysoldt findet, dass der Begriff „Ruhestand“ nicht passt: „Die Menschen gehen nicht in den Ruhestand – sie gehen in eine neue Lebensphase voller Potenziale.“

Arbeit & Übergänge: Wissen bewahren, Kultur verändern

Im Podcast kommen auch Stimmen aus dem Age Forward Lab selbst zu Wort. Carolin Pauly, Geschäftsführerin des Instituts für Universal Design, betont die Bedeutung von Wissensweitergabe in Unternehmen. Erfahrungswissen sei mehr als dokumentierte Information – es sei gelebte Praxis. Modelle wie Tandems oder Jobrotation könnten helfen, dieses Wissen zu sichern. Entscheidend sei jedoch die Haltung: „Es ist eine Kulturfrage“, so Pauly.

Kommunikation & Design: Sprache schafft Wirklichkeit

Im Themenpfad Kommunikation und Design wurde diskutiert, wie Sprache Altersbilder formt. Berit Lüdecke vom Social Innovation Center beschreibt, wie ältere Menschen häufig als homogene Gruppe dargestellt werden – ein Bild, das der Realität nicht gerecht wird. Alter sei vielfältig, kreativ und kompetent. „Wir müssen weg von der Defizitbrille“, fasst sie zusammen.

Lebensräume: Begegnung ermöglichen, Einsamkeit vorbeugen

Susanne Knaack vom Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter berichtet im Podcast von der Bedeutung generationenübergreifender Lebensräume. Begegnungsorte, kommunale Unterstützung und Netzwerke – analog wie digital – seien entscheidend, um Einsamkeit vorzubeugen und Teilhabe zu ermöglichen. Auch Krankenkassen könnten perspektivisch Partner sein, da Prävention langfristig Kosten senkt.

Was jetzt passieren muss

Zum Abschluss formulieren Balzer und Eysoldt klare Aufforderungen. Balzer betont, dass Innovation im sozialen Bereich oft an Strukturen scheitere: „Wir müssen mutiger werden, Neues auszuprobieren – sonst bleibt alles beim Alten.“ Eysoldt ergänzt: „Wenn wir Alter neu denken, schaffen wir eine Gesellschaft, in der alle Generationen gewinnen.“

Der Podcast zeigt, wie viel Potenzial in einem offenen, kreativen Blick auf das Alter steckt – und warum das Age Forward Lab ein wichtiger Baustein für das Denken in Richtung einer generationengerechten Zukunft ist.


Hören Sie rein in unseren Podcast

Ein Traktor und Kartoffeln auf einem Feld.

Digitale Landwirtschaft: Wie bereits auf dem Acker die Größe der Kartoffeln bestimmt wird  

Neue Podcast-Serie „Zukunft ernten“

Mit der ersten Folge der neuen Podcast-Serie „Zukunft ernten“ von Niedersachsen.next startet eine spannende Reise in die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft sowie der Tierhaltung. Im Mittelpunkt steht das Projekt „PotatoScan“, das sich einer zentralen Frage widmet: Wie lässt sich die Größe von Kartoffeln während der Ernte präzise erfassen – und warum ist das wichtig? 

Moderatorin Katja Kulke spricht mit drei Projektbeteiligten: Prof. Thomas Linkugel (Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Göttingen), Anthony Ioan (Mitgründer des Start-ups Koiotech) und Claus Tobaben (Landwirt und Praxispartner). Gemeinsam beleuchten sie die Hintergründe und Ziele des Projekts, das im Rahmen einer EIP-Förderung entwickelt wurde. 

Die Größe der Kartoffeln spielt eine entscheidende Rolle für Verkauf und Planung. Wer frühzeitig weiß, wie viele große oder kleine Knollen geerntet werden, kann Lagerbestände besser kalkulieren und Vermarktungsstrategien optimieren – sei es für Speisekartoffeln, Pommes oder Saatgut. Darüber hinaus eröffnen die Daten neue Möglichkeiten für teilflächenspezifische Aussaat und Düngung, um homogene Ernten zu erzielen. 

Bislang war die Größenbestimmung mühsam und ungenau. „PotatoScan“ setzt hier an: Mit berührungsloser Sensorik und KI-gestützter Bildverarbeitung sollen Kartoffeln direkt auf der Erntemaschine vermessen werden. Zwei Ansätze wurden entwickelt und getestet: ein Laserscanner-System sowie eine Kameralösung mit neuronalen Netzen. Beide Verfahren haben ihre Stärken – und könnten künftig optimiert werden, um Genauigkeit und Kosten in Einklang zu bringen. 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Die Feldversuche zeigen: Das System funktioniert und liefert georeferenzierte Karten, die wertvolle Einblicke in die Heterogenität von Ackerflächen geben. Noch ist die Automatisierung der Datenauswertung nicht vollständig, doch die Perspektiven sind vielversprechend. Bis 2026 soll eine optimierte Version entstehen, 2027 ist die Markteinführung geplant. 

Die Podcast-Folge verdeutlicht auch, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit ist: Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis bringen ihre Expertise zusammen, um Innovationen marktreif zu machen. Für Landwirte wie Claus Tobaben bietet das Projekt die Chance, aktiv an der Entwicklung teilzuhaben und Technik mitzugestalten, die den Alltag erleichtert. 

Neben dem Agrarbereich zeigt das Gespräch, wie sich Technologien branchenübergreifend nutzen lassen: Koiotech arbeitet inzwischen auch an Lösungen für die Logistik und konnte beim next Startup Day mit einem KI-System zur Frachtvermessung einen Wettbewerb gewinnen. 

Wer erfahren möchte, wie Digitalisierung die Kartoffelernte verändert und welche Potenziale für die Landwirtschaft von morgen entstehen, sollte in die Auftaktfolge von „Zukunft ernten“ reinhören. 

Barrierefreie Webseiten: Wie Unternehmen und Organisationen davon profitieren

Pflicht und Chance zugleich und vor allem eine Haltung

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Digitale Angebote müssen so gestaltet sein, dass alle Menschen sie nutzen können. „Es geht um gesellschaftliche Teilhabe“, erklärt Anja Harport, Leiterin des Kompetenzzentrums Digitale Barrierefreiheit beim IT-Dienstleister Adesso im Podcast „Digital Gedacht“ der Niedersachsen.next Digitalagentur. Der Begriff „barrierefrei“ sei dabei irreführend – besser spreche man von „zugänglich“. 

Die Umsetzung ist komplex. „IT-Produkte entstehen nicht im Hinterzimmer“, so Harport. Designer*innen, Entwickler*innen und Redakteur*innen müssten gemeinsam denken, wie Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen oder Nutzungspräferenzen digitale Angebote bedienen. Sensibilisierung sei der Schlüssel. 

Nicole Bongartz, Produktverantwortliche der Webseite des Versicherers DEVK, berichtet aus der Praxis: „Wir haben mit Basisarbeit begonnen – Kontraste, Schriftgrößen, alternative Texte. Aktuell beschäftigen wir uns mit Screenreadern und der Auszeichnung von Icons.“ Audits und die Zusammenarbeit mit einem Entwickler mit Einschränkungen hätten wertvolle Erkenntnisse gebracht. Ihr Tipp: „Pakete schnüren – kleine, gut bearbeitbare Schritte.“ 

Glaubwürdigkeit und Reputation dank Barrierefreiheit

Juristisch ist das Thema klar geregelt. „Das Gesetz setzt den European Accessibility Act um“, erläutert Rechtsanwalt Dr. Björn Bogner von KSB Intax aus Hannover. Es gilt für Webseiten, Apps und digitale Dienstleistungen – auch für Vertragsabschlüsse online. Verstöße können Bußgelder bis 100.000 Euro nach sich ziehen. „Aber es geht nicht nur um Regulierung, sondern um Haltung“, betont Bogner. Unternehmen, die Barrierefreiheit leben, stärken ihre Glaubwürdigkeit und Reputation. 

Warum lohnt sich das Engagement? Harport nennt wirtschaftliche Vorteile: „Wer digitale Produkte für alle zugänglich macht, kann analoge Parallelangebote reduzieren und Kosten sparen.“ Zudem profitieren alle Nutzer von besserer Usability. Statistisch sind 80 Prozent der Behinderungen unsichtbar, nur 2 Prozent angeboren – Einschränkungen betreffen im Laufe des Lebens fast jeden. 

Die DEVK sieht Barrierefreiheit als Reise. „Wir sind nicht bei 100 Prozent“, sagt Bongartz. „Aber wenn Nutzer mit Einschränkungen uns spiegeln, dass sie unsere Seite gut bedienen können, ist das das größte Kompliment.“ 

Fazit: Barrierefreiheit ist Pflicht – und eine Chance, digitale Angebote inklusiv, nutzerfreundlich und zukunftssicher zu gestalten.

Mehr dazu hören Sie in der neuen Podcast-Folge der Reihe „Digital gedacht“ – mit den Expert*innen von DEVK, Adesso und KSB Intax, moderiert von Angela Sielaff von Niedersachsen.next.

Zwei Frauen lächeln in Richtung der Kamera.

Pflegende Angehörige zwischen Beruf und Betreuung und wie IT helfen kann

Bei unserem Veranstaltungsformat „LINGA konkret“ stand im Juni 2025 alles im Zeichen der pflegenden Angehörigen – einem Thema, das nicht nur viele Menschen persönlich betrifft, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich von immer größerer Bedeutung ist.

Unter dem Titel „Pflegende Angehörige zwischen Beruf und Betreuung“ beleuchtete der Workshop bei unserem Projektträger Niedersachsen.next Herausforderungen und Perspektiven für Menschen, die Arbeit und Pflege miteinander vereinbaren. Den Auftakt machte LINGA Projektleiterin Delia Balzer mit einer Einführung in das Thema, um gemeinsam Anknüpfungspunkte für die interdisziplinären, studentischen LINGA Wochen 2026 zu setzen.

Prof. Dr. med. Barbara Zimmermann von der hochschule 21 in Buxtehude forderte in ihrem Impuls-Vortrag konkrete Lösungen „im Hier und Jetzt“, für Betriebe wie auch für Pflegende. Sie machte deutlich, dass Prävention und „mehrgleisige Lösung“ ganz zentral für aktuelle und zukünftige Herausforderung sind. Bis 2040 werde die Zahl der Pflegebedürftigen um 45 Prozent zunehmen. Dabei müsse der Blick auch auf die heterogene Gruppe der Pflegenden geschärft werden, denn Jugendliche pflegen ihre Eltern, oder Großeltern gleichermaßen und an kultursensiblen Angeboten fehlt es, trotz steigenden Anteiles an Menschen mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft. Besonders wichtig seien, so das Fazit von Prof. Zimmermann:

  • Prävention zu forcieren, um Pflegebedürftigkeit prozentual zu senken (Sport und Bewegung sind sehr wichtig),
  • Unternehmen zu informieren und für das Thema „Vereinbarkeit“ fit zu machen sowie
  • pflegebezogene Bildungssysteme in den ländlichen Räumen zu stärken.

Mehr Sicherheit oder neue Ungleichheit?

Dr. Sarah Hampel vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) setzte sich kritisch mit Verantwortungsmodellen auseinander. Unter dem Titel „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege im neuen Verantwortungsmix – mehr Sicherheit oder neue Ungleichheit?“ lenkte sie den Blick auf Gerechtigkeit und Systemfragen in Hinblick auf Vereinbarkeit. Das Nachbarland Nordrhein-Westfalen bietet für Unternehmen die Plattform „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ an. Es unterstützt Unternehmen dabei, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für die Beschäftigten mit Pflegeverantwortung zu verbessern und gleichzeitig deren weitere Tätigkeit im Unternehmen als Fachkräfte zu sichern. Das Landesprogramm vernetzt Betriebe zudem mit der Pflegeinfrastruktur vor Ort und bildet z.B. betriebliche Pflege-Guides aus.

Hilfe zur Selbsthilfe

Christiane Hüppe brachte als Vorständin von „wir pflegen“, der Interessenvertretung pflegender Angehöriger in Niedersachsen e.V., die Perspektive der Selbsthilfe ein. Ihr Beitrag über die Arbeit und Anliegen pflegender Angehöriger in Niedersachsen zeigte, wie wertvoll gemeinschaftliches Engagement und die Hilfe zur Selbsthilfe ist. Gemeinsam mit verschiedensten Partnern organisiert der Verein „wir pflegen!“ vom 6. bis 12.10.2025 die 1. Aktionswoche der pflegenden Angehörigen in Niedersachsen unter dem Motto Pflege geht uns alle an.

Unser herzliches Dankeschön geht an alle Referentinnen für ihre spannenden Beiträge und an alle Teilnehmenden für den offenen und intensiven Austausch. Wir freuen uns jetzt schon darauf, bei den LINGA Wochen 2026 mit dem Landkreis Lüneburg die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unter dem Thema „Pflegende Angehörige“ in den Fokus zu rücken!


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Thema: Informationstechnologie für sorgende Angehörige

Einkaufen, Arztbesuche, Bankgeschäfte, Notfallhilfe – die Alltäglichkeiten, wobei fürsorgende Angehörige ältere Menschen unterstützen, sind facettenreich. Im Idealfall ist die Hilfe auf mehrere Schultern verteilt oder/und es gibt „Sorgearrangements“. Wie kann hier die moderne Informationstechnologie helfen? Das erforscht Professor Dr. Anne Meißner von der Universität Hildesheim am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik im neuen Bereich „Informationstechnologie für die sorgende Gesellschaft“.

Im Gespräch mit Niedersachsen.next nennt sie als bewährtes Beispiel ein Tablet mit Apps – z.B. für Videoanrufe oder Textnachrichten. Voraussetzung: damit umzugehen wurde geübt und die Technik erfüllt bedarfsgerecht das, was sie verspricht. Aber auch für diejenigen, die Fürsorge übernehmen, finden in der Informationstechnologie z.B. eine Möglichkeit, sich mit Menschen in ähnlicher Situation auszutauschen.

Eine Moderatorin und ein Gesprächspartner in einem Podcast Studio

„Für alle, die Bock darauf haben“

In dieser Folge von Digital Gedacht, dem Podcast der Niedersachsen.next Digitalagentur, widmen wir uns dem Thema Fachkräftegewinnung, insbesondere für Tech–Berufe. Henrike Lüssenhop spricht mit Max Reinhardt, dem Head of Marketing & PR bei der Programmierschule 42 Wolfsburg. Die Schule hat sich als Ziel gesetzt, technische Ausbildung für alle zugänglich zu machen. Was dafür notwendig ist, welche Barrieren dabei überwunden werden und wie Unternehmen die nächste Generation von Innovatoren für sich gewinnen können, darüber sprechen sie in dieser Folge. 

Die Programmierschule 42 Wolfsburg hat sich auf die Fahne geschrieben, die bekannten Grenzen der Softwareausbildung einzureißen. Die Hochschule ist für alle ab 18 Jahren möglich, unabhängig vom Bildungshintergrund. Bewerben können sich alle, „die Bock darauf haben“, sagt Reinhardt. 

Keine Abschlüsse? Keine Sprachkenntnisse? Kein Problem!

Auch wir bei Niedersachsen.next beschäftigen uns eingehend mit dem Thema Fachkräftegewinnung. Wir bemühen uns in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Landesregierung um Kooperationsvereinbarungen mit internationalen Partnern. Auf diese Abkommen sollen dann konkrete individuelle Projekte folgen, die mit Unternehmen und Hochschulen in Niedersachen sowie den Partnerländern konzeptioniert und initiiert werden. Dass fehlende Abschlüsse oder auch Sprachkenntnisse keine Hemmnisse darstellen, ist eine wichtige Voraussetzung für einen niedrigschwelligen Zugang zur Ausbildung und für die Gewinnung neuer Fachkräfte. Wie 42 Wolfsburg dieses Thema angeht, schildert Reinhardt im Interview. 

Software Engineering für alle

Im Gespräch wird deutlich, wie die Ausbildung des „Software Engineerings für alle“ genau aussieht, wie sie im sogenannten „Peer Learning“ vermittelt wird und was den Unterschied zu anderen Bildungseinrichtungen ausmacht. „Was das Community-Leben angeht, ist bei uns sehr viel Freiheit gegeben. Außerdem zieht sich die Grundbasis an Respekt durch unser gesamtes Studium“, so Reinhardt. 
Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist ein Thema. Wie sehen die Lehrpläne der Zukunft aus, wenn KI Software schreiben kann? Ähnlich wie beim gesamten Ausbildungskonzept von 42 Wolfsburg plädiert Reinhardt auch bei den Bildungsinhalten dafür, mutig zu sein, denn: 

„Insbesondere beim Software-Engineering musst du Fehler machen, um daraus zu lernen. Das wird dir später im Berufsleben auch passieren.“

Weitere Infos zum Ausbildungskonzept von 42 Wolfsburg gibt es auf https://42wolfsburg.de/.   

Bei weiteren Fragen zu diesem Thema sprechen Sie uns gerne an.

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