Zwei Vortragende in einem Hörsaal, als Bildcollage

Motor für ein neues Verständnis von Alter und Impulse für eine generationengerechte Zukunft

Wie wollen wir in Zukunft altern – und was bedeutet das für Arbeit, Lebensräume und unser gesellschaftliches Miteinander? Der neue Podcast von Niedersachsen.next und der LINGA zeigt, warum das Age Forward Lab ein wichtiger Motor für ein neues Verständnis von Alter ist.

Das Alter ist im Wandel – und mit ihm die Frage, wie wir künftig leben, arbeiten und miteinander umgehen wollen. In der aktuellen Podcastfolge von Niedersachsen.next spricht Host Angela Sielaff mit Delia Balzer, Projektleiterin der LINGA – Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag, und Robert Eysoldt, Gründer der Age Bombs und Initiator des Age Forward Lab, über neue Perspektiven auf das Altern und die Ergebnisse des ersten Age Forward Lab in Niedersachsen.

Rund 50 Menschen aus unterschiedlichen Generationen und Berufsgruppen kamen in Hannover zusammen, um über Arbeit, Übergänge, Kommunikation, Design und Lebensräume zu diskutieren. Ziel war es, eingefahrene Altersbilder aufzubrechen und Zukunftsideen zu entwickeln. „Wir müssen das Alter aus der Defizitperspektive befreien“, sagt Robert Eysoldt im Podcast. „Alter ist kein Problem – Alter ist eine Ressource.“

Warum wir neue Altersbilder brauchen

Im Gespräch wird deutlich, wie stark tradierte Vorstellungen von Alter unseren Alltag prägen. Altersstereotype und Ageismus betreffen dabei nicht nur ältere Menschen, sondern auch Jüngere, denen aufgrund ihres Alters Kompetenzen abgesprochen werden. Für Delia Balzer ist klar: „Wir brauchen ein neues Denken über das Alter(n), weil unsere Gesellschaft sonst an ihren eigenen Bildern scheitert.“

Gerade jetzt, da die sogenannte Babyboomer-Generation in den Ruhestand geht, zeigt sich, wie wichtig ein differenziertes Verständnis von Lebensphasen ist. Eysoldt findet, dass der Begriff „Ruhestand“ nicht passt: „Die Menschen gehen nicht in den Ruhestand – sie gehen in eine neue Lebensphase voller Potenziale.“

Arbeit & Übergänge: Wissen bewahren, Kultur verändern

Im Podcast kommen auch Stimmen aus dem Age Forward Lab selbst zu Wort. Carolin Pauly, Geschäftsführerin des Instituts für Universal Design, betont die Bedeutung von Wissensweitergabe in Unternehmen. Erfahrungswissen sei mehr als dokumentierte Information – es sei gelebte Praxis. Modelle wie Tandems oder Jobrotation könnten helfen, dieses Wissen zu sichern. Entscheidend sei jedoch die Haltung: „Es ist eine Kulturfrage“, so Pauly.

Kommunikation & Design: Sprache schafft Wirklichkeit

Im Themenpfad Kommunikation und Design wurde diskutiert, wie Sprache Altersbilder formt. Berit Lüdecke vom Social Innovation Center beschreibt, wie ältere Menschen häufig als homogene Gruppe dargestellt werden – ein Bild, das der Realität nicht gerecht wird. Alter sei vielfältig, kreativ und kompetent. „Wir müssen weg von der Defizitbrille“, fasst sie zusammen.

Lebensräume: Begegnung ermöglichen, Einsamkeit vorbeugen

Susanne Knaack vom Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter berichtet im Podcast von der Bedeutung generationenübergreifender Lebensräume. Begegnungsorte, kommunale Unterstützung und Netzwerke – analog wie digital – seien entscheidend, um Einsamkeit vorzubeugen und Teilhabe zu ermöglichen. Auch Krankenkassen könnten perspektivisch Partner sein, da Prävention langfristig Kosten senkt.

Was jetzt passieren muss

Zum Abschluss formulieren Balzer und Eysoldt klare Aufforderungen. Balzer betont, dass Innovation im sozialen Bereich oft an Strukturen scheitere: „Wir müssen mutiger werden, Neues auszuprobieren – sonst bleibt alles beim Alten.“ Eysoldt ergänzt: „Wenn wir Alter neu denken, schaffen wir eine Gesellschaft, in der alle Generationen gewinnen.“

Der Podcast zeigt, wie viel Potenzial in einem offenen, kreativen Blick auf das Alter steckt – und warum das Age Forward Lab ein wichtiger Baustein für das Denken in Richtung einer generationengerechten Zukunft ist.


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Zwei Frauen lächeln in Richtung der Kamera.

Pflegende Angehörige zwischen Beruf und Betreuung und wie IT helfen kann

Bei unserem Veranstaltungsformat „LINGA konkret“ stand im Juni 2025 alles im Zeichen der pflegenden Angehörigen – einem Thema, das nicht nur viele Menschen persönlich betrifft, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich von immer größerer Bedeutung ist.

Unter dem Titel „Pflegende Angehörige zwischen Beruf und Betreuung“ beleuchtete der Workshop bei unserem Projektträger Niedersachsen.next Herausforderungen und Perspektiven für Menschen, die Arbeit und Pflege miteinander vereinbaren. Den Auftakt machte LINGA Projektleiterin Delia Balzer mit einer Einführung in das Thema, um gemeinsam Anknüpfungspunkte für die interdisziplinären, studentischen LINGA Wochen 2026 zu setzen.

Prof. Dr. med. Barbara Zimmermann von der hochschule 21 in Buxtehude forderte in ihrem Impuls-Vortrag konkrete Lösungen „im Hier und Jetzt“, für Betriebe wie auch für Pflegende. Sie machte deutlich, dass Prävention und „mehrgleisige Lösung“ ganz zentral für aktuelle und zukünftige Herausforderung sind. Bis 2040 werde die Zahl der Pflegebedürftigen um 45 Prozent zunehmen. Dabei müsse der Blick auch auf die heterogene Gruppe der Pflegenden geschärft werden, denn Jugendliche pflegen ihre Eltern, oder Großeltern gleichermaßen und an kultursensiblen Angeboten fehlt es, trotz steigenden Anteiles an Menschen mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft. Besonders wichtig seien, so das Fazit von Prof. Zimmermann:

  • Prävention zu forcieren, um Pflegebedürftigkeit prozentual zu senken (Sport und Bewegung sind sehr wichtig),
  • Unternehmen zu informieren und für das Thema „Vereinbarkeit“ fit zu machen sowie
  • pflegebezogene Bildungssysteme in den ländlichen Räumen zu stärken.

Mehr Sicherheit oder neue Ungleichheit?

Dr. Sarah Hampel vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) setzte sich kritisch mit Verantwortungsmodellen auseinander. Unter dem Titel „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege im neuen Verantwortungsmix – mehr Sicherheit oder neue Ungleichheit?“ lenkte sie den Blick auf Gerechtigkeit und Systemfragen in Hinblick auf Vereinbarkeit. Das Nachbarland Nordrhein-Westfalen bietet für Unternehmen die Plattform „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ an. Es unterstützt Unternehmen dabei, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für die Beschäftigten mit Pflegeverantwortung zu verbessern und gleichzeitig deren weitere Tätigkeit im Unternehmen als Fachkräfte zu sichern. Das Landesprogramm vernetzt Betriebe zudem mit der Pflegeinfrastruktur vor Ort und bildet z.B. betriebliche Pflege-Guides aus.

Hilfe zur Selbsthilfe

Christiane Hüppe brachte als Vorständin von „wir pflegen“, der Interessenvertretung pflegender Angehöriger in Niedersachsen e.V., die Perspektive der Selbsthilfe ein. Ihr Beitrag über die Arbeit und Anliegen pflegender Angehöriger in Niedersachsen zeigte, wie wertvoll gemeinschaftliches Engagement und die Hilfe zur Selbsthilfe ist. Gemeinsam mit verschiedensten Partnern organisiert der Verein „wir pflegen!“ vom 6. bis 12.10.2025 die 1. Aktionswoche der pflegenden Angehörigen in Niedersachsen unter dem Motto Pflege geht uns alle an.

Unser herzliches Dankeschön geht an alle Referentinnen für ihre spannenden Beiträge und an alle Teilnehmenden für den offenen und intensiven Austausch. Wir freuen uns jetzt schon darauf, bei den LINGA Wochen 2026 mit dem Landkreis Lüneburg die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unter dem Thema „Pflegende Angehörige“ in den Fokus zu rücken!


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Thema: Informationstechnologie für sorgende Angehörige

Einkaufen, Arztbesuche, Bankgeschäfte, Notfallhilfe – die Alltäglichkeiten, wobei fürsorgende Angehörige ältere Menschen unterstützen, sind facettenreich. Im Idealfall ist die Hilfe auf mehrere Schultern verteilt oder/und es gibt „Sorgearrangements“. Wie kann hier die moderne Informationstechnologie helfen? Das erforscht Professor Dr. Anne Meißner von der Universität Hildesheim am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik im neuen Bereich „Informationstechnologie für die sorgende Gesellschaft“.

Im Gespräch mit Niedersachsen.next nennt sie als bewährtes Beispiel ein Tablet mit Apps – z.B. für Videoanrufe oder Textnachrichten. Voraussetzung: damit umzugehen wurde geübt und die Technik erfüllt bedarfsgerecht das, was sie verspricht. Aber auch für diejenigen, die Fürsorge übernehmen, finden in der Informationstechnologie z.B. eine Möglichkeit, sich mit Menschen in ähnlicher Situation auszutauschen.

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