Zukunft ernten: Wenn Geschmack auf Hightech trifft
Wie schafft es eine biotechnologische Idee aus dem Labor in die industrielle Produktion? In der neuen Folge von „Zukunft ernten – Acker, Wald und Tier“ sprechen Veclin-Mitgründer Niklas Wolfering, Anna Loraine Hartmann von Niedersachsen.next und Moderatorin Katja Kulke darüber, wie Veclin Häm natürlich fermentiert, wie FoodTech-Startups ihre Verfahren skalieren und welche Infrastruktur sie auf dem Weg zum Markt brauchen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenNatürliche Fermentation bringt mehr Geschmack
Viele Menschen essen weniger Fleisch, möchten aber nicht vollständig auf den vertrauten Geschmack verzichten. Genau hier setzt das Osnabrücker Startup Veclin an. Es entwickelt Häm, das durch natürliche Fermentation entsteht und pflanzlichen Fleischalternativen mehr Geschmack, Farbe und sensorische Tiefe verleihen soll.
Häm ist ein eisenhaltiges Molekül, das natürlicherweise in Menschen, Tieren und Pflanzen vorkommt. In Fleisch prägt es das typische Aroma und die Farbe. Veclin nutzt einen in der Natur vorkommenden Mikroorganismus, der das Molekül natürlich herstellen kann. Dabei verzichtet das Unternehmen auf tierische Ausgangsstoffe und verändert den Produktionsorganismus nicht gentechnisch. „Wir wollen erreichen, dass pflanzliche Fleischalternativen wie Fleisch schmecken“, fasst Mitgründer Niklas Wolfering das Ziel zusammen.
Vom kleinen Kolben zum großen Bioreaktor
Doch eine Idee, die im Labor funktioniert, ist noch lange kein marktfähiges Produkt. Sobald ein Startup den Prozess von einem kleinen Kolben auf einen größeren Bioreaktor überträgt, verändern sich wichtige Bedingungen. Wie viel Sauerstoff die Kultur erhält, wie gleichmäßig sich die Nährstoffe verteilen und welche Temperaturen herrschen, beeinflusst den Mikroorganismus und damit auch, wie viel Häm er bildet.
Nach der Fermentation folgen die sogenannten Downstream-Prozesse. Dabei trennt das Team das gewünschte Molekül von anderen Bestandteilen, reinigt es und verarbeitet es zu einer Zutat für Lebensmittel. Was bei einem Liter noch vergleichsweise einfach gelingt, verlangt bei Tausenden Litern andere Anlagen, Verfahren und Fachkenntnisse.
Vorhandene Infrastruktur gemeinsam nutzen
Diese Entwicklungsschritte kosten viel Geld. Bioreaktoren sowie Labor- und Pilotanlagen sind teuer, obwohl Startups sie oft nur in einzelnen Projektphasen brauchen. Hier hilft die Bioprozess-Datenbank von Niedersachsen.next. Sie zeigt, welche technischen Anlagen niedersächsische Forschungseinrichtungen und Technologiezentren anbieten und über welches Know-how sie verfügen.
„Wir wollen transparenter machen, was wir im Land zu bieten haben“, erklärt Anna Loraine Hartmann. Mithilfe der Datenbank können Unternehmen nicht nur geeignete Geräte finden. Sie können sich auch mit Fachleuten und Einrichtungen vernetzen, die bestimmte Kulturen, Verfahren und Produktionsmaßstäbe kennen. Zugleich zeigt die Datenbank, wo noch Infrastruktur fehlt, vor allem zwischen dem Pilotmaßstab und der industriellen Produktion.
Förderung und Netzwerke geben Starthilfe
Beim Aufbau des Unternehmens unterstützte ein niedersächsischer Hightech-Inkubator das Startup Veclin. Niklas Wolfering schätzt nicht nur die finanzielle Hilfe, sondern vor allem Workshops, Unternehmenskontakte und den fachlichen Austausch. „Netzwerk ist das A und O“, lautet seine Erfahrung. Die richtigen Kontakte verbinden junge Technologieunternehmen mit Know-how, Anlagen, potenziellen Kunden und weiteren Geldgebern.
Damit neue Technologien schneller den Markt erreichen, sieht Wolfering weiteren Handlungsbedarf. Förderanträge sollten zügiger bearbeitet und Novel-Food-Verfahren planbarer gestaltet sein. Zudem wünscht er sich mehr Frühphasenkapital für technologieintensive Startups. Denn anders als Softwareunternehmen brauchen Biotech-Startups oft mehrere Jahre, bis sie erste Umsätze erzielen.
Gemeinsam Lebensmittel neu denken
Biotechnologische Verfahren können dazu beitragen, Lebensmittel ressourcenschonender herzustellen. Neben der natürlichen Fermentation gewinnen auch Präzisionsfermentation und Molecular Farming an Bedeutung. Mit diesen Verfahren lassen sich bestimmte Proteine oder Inhaltsstoffe gezielt produzieren. Sie sollen die Landwirtschaft nicht ersetzen, sondern bestehende Produktionsweisen sinnvoll ergänzen und neue Wege zu nachhaltigeren Lebensmitteln eröffnen, erläutert Anna Hartmann.
Die Podcastfolge macht deutlich: Gute Forschung allein bringt noch kein erfolgreiches Produkt hervor. Damit eine Idee aus dem Labor auf den Markt kommt, müssen wissenschaftliches Know-how, technische Anlagen, Kapital, verlässliche Regeln und starke Netzwerke ineinandergreifen. Die Bioprozess-Datenbank bündelt vorhandene Ressourcen und hilft jungen Unternehmen, den nächsten Schritt zu gehen.
„Netzwerk ist das A und O. Kontakte aus Studium, Universität und Inkubator haben uns geholfen und sind für den Aufbau des Startups sehr viel wert.“
Niklas Wolfering, Veclin
„Mit der Bioprozess-Datenbank schaffen wir Transparenz darüber, welche Infrastruktur und welches Know-how in Niedersachsen verfügbar sind.“
Anna Loraine Hartmann, Niedersachsen.next