Digitalbonus: Wie eine Apotheke mit KI ihre Zukunft sichert
Steigende Kosten, größerer Wettbewerb, höherer Zeitdruck: Für viele Apotheken ist das Tagesgeschäft ein wirtschaftlicher Balanceakt. Doch es gibt Beispiele, die zeigen: Der Wandel lässt sich aktiv gestalten. In der Sonnen-Apotheke in Hannover setzt man dabei auf Unterstützung durch künstliche Intelligenz – und gewinnt mehr als nur Zeit.
Zwischen Kostendruck und Wettbewerb
„Ich erhalte pro Packung eines verschreibungspflichtigen Medikamentes ungefähr 6,35 € – seit 2004 das Gleiche“, sagt die Inhaberin Dr. Silke Pieper-Walter offen. Die Vergütung für verschreibungspflichtige Medikamente ist in den vergangenen Jahren also konstant geblieben, während Tariflöhne und Energiepreise deutlich gestiegen sind.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerb: Online-Apotheken und Drogerieketten drängen in Bereiche, die früher fest in der Hand der Vor-Ort-Apotheken waren. „Viele Produkte sind mittlerweile im Lebensmitteleinzelhandel und Drogerien angekommen – oft beraten wir, gekauft wird dann woanders“, beschreibt Dr. Pieper-Walter die Situation.
Man dürfe dabei nicht vergessen, dass die Apotheken neben einer individuellen Beratung auch einen 24/7-Notdienst gewährleisten und – im Gegensatz zu holländischen Versand-Apotheken – Steuern und Sozialabgaben in die kommunalen Kassen einzahlen, betont sie.

Gründungsjahr: 1892 / seit 2005 Inhaberin Dr. Silke Pieper-Walter
Sonnen-Apotheke
Lister Meile 13
30161 Hannover
Telefon: 0511 331479
E-Mail: info@sonnen-hannover.de
Komplexität im Alltag: Tausende Preise im Blick
Apotheken müssen also neue Wege finden, um wirtschaftlich zu bleiben – ohne ihre Beratungs- und Servicequalität zu verlieren. Der Blick richtet sich daher auf die Preisgestaltung der nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente, apothekenüblichen Kosmetika und hochwertigen Nahrungsergänzungsmittel.
Für die Kunden fair und für die Apotheke konkurrenzfähig kalkuliert sollen die Preise sein. Doch bei bis zu 20.000 Artikeln im Sortiment – mit ständig schwankenden Einkaufspreisen – ist es schwierig, den Überblick zu behalten.
„Man kann nicht ständig alles genau überwachen“, sagt die Apothekerin und die manuellen Kontrollen stoßen an ihre Grenzen. „Manchmal ist man einfach nicht mehr richtig im Preisgefüge.“ Fehler passieren schnell: Ein Preis wird nicht angepasst, ein anderes Produkt ist plötzlich zu teuer – oder die Gewinnmarge rutscht ins Minus.
Die Lösung: KI übernimmt die Preislogik
Der entscheidende Schritt in der Sonnen-Apotheke war die Einführung eines Warenwirtschaftssystems mit der Möglichkeit der KI-gestützten Preiskalkulation. Die Software analysiert automatisch Marktpreise, Preisänderungen der Hersteller und Angebote der Mitbewerber. Die KI passt Verkaufspreise dynamisch an – und stellt sicher, dass die definierte Marge eingehalten wird.
„Die Hersteller können die Preise alle 14 Tage verändern. Dann wird bei Bedarf automatisch durch die KI der Verkaufspreis angepasst“, erklärt die Inhaberin. Dabei bleibt die Kontrolle beim Menschen. „Ich habe immer die Hoheit, kann jederzeit eingreifen.“
Digitale Preisschilder sparen Zeit
Ergänzt wird das System durch elektronische Preisschilder. Preise werden einmal täglich automatisch aktualisiert – ohne händisches Austauschen von Etiketten. „Früher haben wir das alles per Hand gemacht. Das können wir uns heute nicht mehr leisten“, sagt sie. Was zunächst wie ein kleines Detail wirkt, hat große Auswirkungen: Das Team spart wertvolle Arbeitszeit – Zeit, die jetzt in die Kundenberatung fließt. Die digitalen Etiketten sähen zudem noch schön aus und informierten die Mitarbeitenden der Apotheke gleichzeitig über den Warenbestand.
Fördermittel als Schlüssel
Möglich wurde die Investition durch den „Digitalbonus innovativ“ des Landes Niedersachsen. „Ohne dieses Tool könnte ich die KI gar nicht einsetzen“, betont die Apothekerin, die sich von der niedersächsischen Investitions- und Förderbank NBank gut beraten gefühlt hat. Die Förderung hat nicht nur die Anschaffung ermöglicht, sondern auch den Einstieg in neue Technologien beschleunigt. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann das entscheidend sein.
Mehr Zeit für das Wesentliche
Der große Gewinn liegt jedoch nicht nur in effizienteren Prozessen – sondern im direkten Kontakt mit den Kunden. Denn während Ärzte immer weniger Zeit für Beratung haben, wächst die Rolle der Apotheke. „Wir können uns viel besser um den Kunden kümmern“, sagt. Dr. Pieper-Walter. Künftig könnte KI sogar dabei helfen, komplexe Arzneimittel-Informationen zusammenzufassen oder Wechselwirkungen noch schneller zu erkennen. Die Technologie ist noch in Entwicklung – das Potenzial jedoch enorm.
Vorbild für andere Apotheken
Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Beispiel ist klar: Innovation erfordert Mut. „Investitionen nicht scheuen – das ist das Entscheidende“, so der Rat der Apothekerin an ihre Kolleg*innen sowie an kleine und mittelständische Unternehmen. Auch wenn die modernen Systeme zunächst Kosten verursachen, können sie langfristig die Effizienz steigern, das Personal entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Ein weiterer Effekt: Die Apotheke wird attraktiver für Fachkräfte. „Meine Mitarbeiter*innen finden das cool und spannend“, so die Inhaberin.
„Die Hersteller können die Preise alle 14 Tage verändern. Dann wird bei Bedarf automatisch durch die KI der Verkaufspreis angepasst. Und wir können uns viel besser um den Kunden kümmern.“
– Dr. Silke Pieper-Walter




