Ein Gespräch über Gründergeist, Wachstum, Ökosysteme und die Zukunft des Venture Capital
In dieser Episode von „Machen einfach machen – der Niedersachsen.next Startup-Podcast“ sprechen wir mit Jesse Jeng, Gründer von SCALEHOUSE Capital in Osnabrück, über die Zukunft von Venture Capital, die Stärkung regionaler Ökosysteme und die Frage, was Startups heute wirklich brauchen, um zu wachsen. Das Gespräch eröffnet tiefe Einblicke in die Mechanik des Marktes – und in einen ungewöhnlichen Karriereweg.
Vom Bankenkarriereweg zum Startup-Finanzierer
Jesse Jeng hat früh Verantwortung übernommen. Elf Jahre arbeitete er in der norddeutschen Landesbank, zunächst in der Schiffsfinanzierung, später in Aviation und Energie. Die Erfahrungen einer ganzen Branche in der Krise bezeichnet er heute als prägend: „Wenn der Vorhang des Erfolgs beiseite gezogen wird, lernt man plötzlich, wie man hunderte Millionen Euro retten muss.“ Diese Einblicke führten schließlich zum Wechsel in die Tech‑Welt: Als Chief Investment Officer eines Londoner KI‑Startups entdeckte er seine Leidenschaft für schnelles Wachstum und unternehmerische Gestaltung.
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Mehr InformationenDer Aufbau eines eigenen Venture‑Capital‑Fonds
Zurück in Niedersachsen wurde Jeng Teil des lebendigen Startup‑Ökosystems in Osnabrück. Gemeinsam mit Familienunternehmen, der NBank und wirtschaftspolitischen Initiativen entstand der Plan zu Scalehouse Capital. „Wir wollten Gründerinnen und Gründer unterstützen – und gleichzeitig das Ökosystem in Niedersachsen stärken.“
Was Startups wirklich mitbringen müssen
Im Gespräch erklärt Jeng klar, dass Venture Capital nicht für jeden passt. Die Anforderungen an starkes Wachstum sind hoch. Das bekannte Muster „Triple‑Triple‑Double‑Double“ bedeutet: „Der Umsatz muss sich jedes Jahr verdoppeln oder verdreifachen – das geht nur, wenn der Markt riesig ist.“ Ein Startup müsse bereits Kunden haben, ein skalierbares Produkt und ein Team mit außergewöhnlichem Drive mitbringen.
Jeng erklärt, warum VC‑Fonds auf große Erfolge angewiesen sind. Ein einziges Unternehmen müsse oft „den gesamten Fonds zurückzahlen“. „Von 20 Investments schaffen es vielleicht sechs nicht – und einige nur so gerade. Die starken Unternehmen tragen den Fonds.“ Damit Gründerinnen und Gründer diese Wachstumslogik verstehen, sei Transparenz entscheidend.
Was ein starkes Ökosystem ausmacht
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der Aufbau regionaler Innovationsräume. Jeng betont: „Ökosysteme entstehen nicht durch Verordnung. Es geht um Menschen, Vertrauen und Privatwirtschaft.“ Für Niedersachsen sehe er großes Potenzial – vorausgesetzt, Förderstrukturen bleiben flexibel, dezentral und unternehmerisch geprägt. Das Gespräch zeigt, wie stark die Strategien eines Venture‑Capital‑Investors vom Zusammenspiel aus Kapital, Unternehmertum und regionaler Entwicklung abhängen. Jeng bleibt optimistisch:
„Wenn wir mutig bleiben, werden wir die Gründungslandschaft in fünf bis zehn Jahren nicht wiedererkennen.“