Vom Bodensee zum Startup-Pionier: Wie Florian Stöhr das Ökosystem Osnabrück prägt
Osnabrück gilt heute als einer der sichtbarsten AgriFood-Startup-Knotenpunkte in Deutschland. Ein wesentlicher Treiber hinter dieser Entwicklung ist Florian Stöhr. Im „Machen einfach machen“-Podcast von Niedersachsen.next gewährt er Einblicke in seinen ungewöhnlichen Werdegang und das Erfolgsgeheimnis des Osnabrücker Modells.
Eigentlich wollte Florian Stöhr nach dem Abitur am Bodensee nur für ein BWL-Studium nach Osnabrück kommen. „Ein Semester und du bist wieder weg“, dachte er sich beim Einzug. Doch aus dem geplanten Gastspiel sind über 20 Jahre geworden. Stöhr blieb, gründete 2004 mit Freunden eine Community-Plattform, gestaltete den Aufstieg des Softwarehauses basecom und baute später als „Schnellboot im Konzern“ die Digitaltochter eines großen Call-Center-Betreibers auf.
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Mehr InformationenDas Seedhouse: Ein „Maßanzug“ für Gründer
Heute ist Stöhr Geschäftsführer des Seedhouse, einem Startup-Zentrum, das den klassischen Accelerator-Gedanken mit der Bodenständigkeit des Mittelstands vereint. Das Besondere: Das Seedhouse wird von einem Kreis aus mittlerweile über 30 mittelständischen Gesellschaftern getragen. Unternehmen wie der Landtechnik-Riese GRIMME investieren nicht nur Kapital, sondern fungieren als Mentoren und Pilotkunden.
Für Stöhr ist dabei die menschliche Komponente wichtiger als jeder Businessplan. Im Auswahlprozess für die begehrten Batch-Plätze zählt vor allem die Gründerpersönlichkeit: „Wir wollen Leute, wo wir glauben, dass es Gründer sind und Gründerinnen. Das Produkt ist sekundär.“
Ein Ökosystem der kurzen Wege
Was vor sechs Jahren als Initiative der Wirtschaftsförderung begann, hat sich zu einem dichten Geflecht entwickelt. Zum Osnabrücker Kosmos gehören heute auch der OHA Osnabrück Healthcare Accelerator mit Fokus auf die Gesundheitswirtschaft, das SmartCityHouse, das Innovationen für die Stadt der Zukunft unterstützt, die Scalehouse Capital als regionaler Venture-Fonds mit rund 24 Millionen Euro Volumen und die Innovate!, die große jährliche Convention für die Szene. Die Erfolge sind messbar: Startups wie SeedForward, die mit biologischer Saatgutbeize den Agrarmarkt revolutionieren, oder hs-tumbler, deren Mischtechnologie sogar die Kapazität von Batterien verbessern kann, haben hier ihre Wurzeln.
Herausforderung Bildung
Trotz der Euphorie sieht Stöhr Baustellen – vor allem im Bildungssystem. Er fordert mehr unternehmerischen Geist an Schulen und Hochschulen. Entrepreneurship müsse eine gleichberechtigte Säule neben Lehre und Forschung werden. Sein Ziel bleibt es, Osnabrück als Heimat für „neuen Mittelstand“ zu festigen, in der Innovationen nicht nur erdacht, sondern auch wirklich umgesetzt werden.
Osnabrück zeigt, wie regionale Ökosysteme funktionieren, wenn Mittelstand, Hochschulen, Stadt und Kapitalgeber kohärent handeln. Für Gründer*innen, die Industrie‑ und AgriFood‑Probleme lösen wollen, ist die Region mehr als eine Alternative – sie ist Sprungbrett.
Wir sind hier nicht Silicon Valley. Wir sind eine Mittelstandsregion. Und wir müssen gucken, dass wir die Stärken, die wir haben, auch beibehalten.
– Florian Stöhr, Geschäftsführer des Seedhouse Osnabrück