Sieger*innen der sechsten IBT Portfolio-Konferenz
12.05.2026 5 Min. Lesezeit
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Vom Labor in die Translation: IBT Lower Saxony fördert zwei biomedizinische Projekte in Millionenhöhe

Lymphknoten-Metastasen besser erkennen für eine präzisere Krebsdiagnose oder Krankenhausinfektionen durch multiresistente Bakterien verhindern: Worauf viele Patient*innen hoffen, ist längst Thema in der niedersächsischen Spitzenforschung. Damit innovative Ideen aus der Biomedizin schneller vom Labor in die praktische Anwendung kommen und Erkrankten helfen können, fördert das Institute for Biomedical Translation Lower Saxony (IBT), eine Landesinitiative unter dem Dach von Niedersachsen.next, zwei besonders vielversprechende Projekte mit insgesamt knapp 2,4 Millionen Euro.

Niedersächsische Biomedizin auf dem Weg zur Marktreife

Zwei von sieben Projekten aus niedersächsischen Forschungseinrichtungen sicherten sich mit ihrem Pitch am 5.5.2026 auf der sechsten IBT PRE-SEED Portfolio-Konferenz im Medical Park Hannover den Zuschlag: PathoPress von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit 1.336.650 Euro sowie DeColi vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig mit 1.045.148 Euro.

PathoPress (€1,336,650)

Eine präzise Krebsdiagnostik hängt maßgeblich davon ab, genau zu wissen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat.
 
Ein entscheidender Faktor ist die zuverlässige Erkennung von Lymphknotenmetastasen, die einen starken Einfluss auf die Stadieneinteilung, Behandlungsentscheidungen und den Behandlungserfolg hat. In der routinemäßigen Pathologie ist die Identifizierung von Lymphknoten in chirurgisch entnommenem Gewebe jedoch nach wie vor ein arbeitsintensiver und von Anwender*innern abhängiger Prozess – insbesondere bei Krebsarten wie Darm- und Eierstockkrebs, bei denen Lymphknoten in großen Mengen an Fettgewebe eingebettet sind.
 
PathoPress führt ein neuartiges Gerät ein, das Fettgewebe mechanisch komprimiert, um dessen Volumen deutlich zu reduzieren, während die volle Kompatibilität mit der Standard-Histopathologie und Immunhistochemie gewahrt bleibt. 
 
Durch die Ermöglichung einer vollständigen und standardisierten Untersuchung des verbleibenden Gewebes macht diese Technologie eine zuverlässigere Erkennung aller Lymphknoten möglich, reduziert die Arbeitsbelastung für das Pathologiepersonal, verbessert die Sicherheit und den Arbeitsablauf und unterstützt bessere Behandlungsentscheidungen. 
 
PathoPress hat sich zum Ziel gesetzt, ein einfaches physikalisches Prinzip in ein praktisches Diagnosewerkzeug umzusetzen, das die KrebsstadienEinteilung verbessern und letztlich Patient*innen weltweit zugutekommen kann.
 
Antragstellende: Pedro Gebhardt Apalategui, Friederike Mörk & Prof. Dr. med. Philipp Ströbel 
Institution: Universitätsmedizin Göttingen und HAWK Göttingen

DeColi (€1,045,148)

Krankenhausinfektionen, die durch multiresistente gramnegative Bakterien verursacht werden, stellen weltweit eine wachsende Bedrohung dar – oft treten sie gerade dann auf, wenn Patient*innen am verwundbarsten sind.
 
Eine Besiedlung des Darms mit Krankheitserregern wie Escherichia coli tritt häufig lange vor der Entwicklung schwerer Infektionen wie einer Sepsis, Lungenentzündung, Wundinfektion oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen auf. DeColi geht dieses Problem an der Quelle an, indem es ein lebendes biotherapeutisches Produkt entwickelt, das diese gefährlichen Bakterien selektiv aus dem Darm entfernt, bevor eine Infektion beginnt. Der Ansatz richtet sich an eine große und hochrisikobehaftete Patient*innengruppe, für die es keine zugelassenen Präventionsmöglichkeiten gibt, und nutzt ein zielgerichtet entworfenes Bakterienkonsortium mit klar definierten Funktionen. 
 
Diese Strategie, die auf zuverlässige Wirksamkeit
 und skalierbare Herstellung ausgelegt ist, zielt darauf ab, Infektionen zu verhindern, anstatt auf sie zu reagieren. DeColi bietet einen neuen, proaktiven Weg, um antibiotikaresistente Infektionen zu reduzieren und die Behandlungsergebnisse für Patient*innen zu verbessern.


Antragstellende: Dr. Marie Wende, Prof. Dr. Till Strowig & Dr. Christian Brandstetter
Institution: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)

Ein besonderes Highlight der Konferenz: Als einziger Student unter den Teilnehmenden Teams des IBT-Events präsentierte der 22-jährige Student Pedro Gebhardt Apalategui für das Team PathoPress – gemeinsam mit Prof. Philipp Ströbel und Friederike Mörk. Das DeColi-Team wurde von Prof. Dr. Till Strowig, Prof. Dr. Julia Henkel und Dr. Christian Brandstetter vertreten.

Förderung als Katalysator für biomedizinische Ausgründungen

Das Portfolio Advisory Board unter Vorsitz von Prof. Dr. Peter Hammann (Consultant, ehem. Sanofi) und Vize-Vorsitzender Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff (Gründerin AiCuris) wählte die beiden Gewinnerprojekte aus einem thematisch breit gefächerten Wettbewerbsfeld – darunter Ansätze zu antibiotikaresistenten Lungeninfektionen, Pankreaskarzinomen, intraoperativer Bildgebung bakterieller Infektionen, einem KI-gestützten Liquid-Biopsy-Test für kolorektalen Krebs sowie einem robotergestützten chirurgischen Assistenzsystem.

“Ich freue mich über zwei Dinge ganz besonders: Wir beobachten mittlerweile eine konstante Zahl an Anträgen neuer Projekte – das spricht deutlich für die Innovationskraft Niedersachsens. Und wir haben diesmal zwei junge Teams gekürt, die ihre Ausgründungsideen hochengagiert vorantreiben.”
– Prof. Dr. Thomas Sommer, Gründungsdirektor, IBT Lower Saxony

Den Teams steht die Fördersumme nun für eine Laufzeit von zwei Jahren zur Verfügung, um ihre Projekte wissenschaftlich und marktorientiert weiterzuentwickeln, weitere Drittmittel einzuwerben und die Grundlage für eine Unternehmensgründung zu schaffen. Das IBT begleitet die Teams dabei durch fachkundiges Coaching, Beratung zu regulatorischen Anforderungen sowie aktives Netzwerken mit Investor*innen und Industriepartner*innen. Mit PathoPress und DeColi umfasst das IBT-Portfolio nun zwölf Projekte mit einer Gesamtförderung von rund 13 Millionen Euro.

Die Portfolio-Konferenz fand im Rahmen der Veranstaltung „Transfer X Machen | IBT Life Science Edition” von Niedersachsen.next statt. Die siebte IBT Portfolio-Konferenz ist für Anfang 2027 in Göttingen geplant. Das IBT wird durch das Land Niedersachsen und die VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms zukunft.niedersachsen gefördert und ist seit Ende 2025 Teil von Niedersachsen.next.

Eindrücke der 6. IBT PRE-SEED Portfolio Conference

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