EDCar – Automotive End-of-Life Datenaustausch für Circular Economy
Steckbrief
Was ist EDCar?
EDCar ist ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Verknüpfung der Datenökosysteme Catena-X und Platform MaterialDigital (PMD). Ziel ist ein unternehmensübergreifender und souveräner Austausch von Materialdaten entlang der automobilen Wertschöpfungskette.
Branche: Automobilindustrie und Kreislaufwirtschaft
Ziel: Verbesserung der Verfügbarkeit, Konsistenz und Wiederverwendbarkeit von Materialdaten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Dadurch sollen Kreislaufwirtschaft, Recycling, regulatorische Compliance und neue digitale Geschäftsmodelle unterstützt werden.
Reichweite: Konsortium aus Industrie, Forschung, Softwareentwicklung, Compliance und Recyclingwirtschaft mit Partnern entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette.
Förderung: Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
Laufzeit: 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026
Niedersachsen-Bezug: Mit Schaeffler und Bosch sind bedeutende Unternehmen mit starken Standorten und Aktivitäten in Niedersachsen am Projekt beteiligt. Die Projektergebnisse sind insbesondere für die niedersächsische Automotive- und Zulieferindustrie von hoher Relevanz.
Technische Umsetzung: EDCar baut auf Catena-X-Technologien auf und nutzt unter anderem Eclipse Dataspace Connector (EDC), Digital Twin Registry (DTR), digitale Zwillinge und standardisierte semantische Datenmodelle.
Konsortialleitung: Fraunhofer IWM
Warum EDCar?
Materialien bilden die Grundlage nahezu aller industriell gefertigten Produkte. Doch Informationen über ihre Zusammensetzung und Eigenschaften fehlen oft genau dann, wenn sie für wichtige Entscheidungen benötigt werden, etwa bei Demontage, Wiederverwendung oder Recycling. Hier setzt EDCar an: Das Projekt schafft die Voraussetzungen dafür, dass Materialdaten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg sicher, standardisiert und unternehmensübergreifend verfügbar bleiben.
Das wird auch mit Blick auf neue regulatorische Anforderungen immer wichtiger. Vorgaben wie der Digitale Produktpass oder die europäische Kreislaufwirtschaftsstrategie erfordern belastbare Informationen zu Materialien und Produkten. EDCar soll Unternehmen dabei helfen, diese Daten einfacher bereitzustellen und den damit verbundenen Aufwand zu reduzieren.
Gleichzeitig leistet das Projekt einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Wenn Materialien besser dokumentiert und nachverfolgt werden können, lassen sie sich leichter wiederverwenden oder recyceln. Das reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen, senkt potenziell Kosten und unterstützt die Klimaziele. Darüber hinaus stärkt EDCar die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie, indem es Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft miteinander verbindet.
Herausforderungen und Lösungen
- Materialien sind wesentlicher Bestandteil aller gefertigten Produkte; „Advanced Materials“ bilden zentrale Basis für Innovationen (Energiewende bis resiliente Kreislaufwirtschaft)
- Materialeigenschaften verändern sich während Fertigung und Nutzung → effektive Nutzung nur mit digitalem Abbild des Materials möglich
- Kernaussage: Materialdaten müssen über den gesamten Lebenszyklus und unternehmensübergreifend verfügbar sein
- Aktuelles Problem: Zum Zeitpunkt kritischer Entscheidungen ist zu wenig Information über Materialien, Komponenten und Produkte verfügbar
- Ende-zu-Ende-Digitalisierung von Prozessen ermöglicht nachhaltige Nutzung und Werterhalt
- Werterhalt bei Reuse, Reparatur, Reprocessing und Recycling erfordert durchgängig verfügbare Materialinformation auf Bauteilebene (integraler Bestandteil des Produktpasses)
- Effekte, wenn das gelingt:
- Garantiert technologische Unabhängigkeit
- Erhöht Wettbewerbsfähigkeit
- Ermöglicht Design for Circularity
- Klare Offenlegung des Product Carbon Footprints
- Lösungsansatz FAIR-Daten: gemeinsame Materialontologie nötig für unternehmensübergreifende FAIR-Nutzung (Findable, Accessible, Interoperable, Re-usable); Merkmale:
- Standardisiertes Framework für Abfragen/Mapping
- Bedingungslose Datensouveränität durch dezentrale Speicherung (beim Eigentümer)
- Standardisierte Protokolle regeln Zugriffsberechtigungen
Use Case 1: Fehlende Materialdaten
Herausforderung
Informationen über Materialien, Komponenten und Produkte stehen häufig nicht mehr zur Verfügung, wenn sie für Demontage, Wiederverwendung oder Recycling benötigt werden. Reuse, Remanufacturing und Recycling setzen aber voraus, dass Informationen über Materialzusammensetzung, Eigenschaften und Herkunft jederzeit abrufbar sind. Vorgaben wie der Digitale Produktpass oder neue Anforderungen der EU-Kreislaufwirtschaftspolitik erhöhen zusätzlich den Dokumentationsaufwand für Unternehmen.
Lösung
EDCar schafft einen unternehmensübergreifenden Materialdatenaustausch, der relevante Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus strukturiert verfügbar macht. Durch digitale Zwillinge und standardisierte Materialdaten können Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette genutzt und wiederverwendet werden. So wird auch die Nutzung für Compliance-, Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten ermöglicht.
Use Case 2: Einfacher und sicherer Datenaustausch
Herausforderung
Materialdaten werden heute häufig in unterschiedlichen Systemen gespeichert und können nur eingeschränkt zwischen Unternehmen ausgetauscht werden. Unternehmen, die ihre Daten teilen möchten, wollen die Kontrolle über ihre Informationen nicht verlieren.
Lösung
EDCar verknüpft die Plattform MaterialDigital mit Catena-X und ermöglicht einen standardisierten Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg. Dabei setzt EDCar setzt auf FAIR-Datenprinzipien, dezentrale Datenspeicherung sowie standardisierte Zugriffs- und Berechtigungsmechanismen. Die Daten verbleiben grundsätzlich beim Eigentümer.
Konkrete Anwendungsfälle: End-of-Life-Bewertung von Fahrzeugkomponenten
EDCar unterstützt Demontagebetriebe dabei, auf Basis strukturierter Materialdaten die optimale Kreislaufstrategie für Fahrzeugkomponenten zu wählen.
Dabei werden Informationen wie:
- Materialzusammensetzung
- Materialqualität
- Trennbarkeit von Materialien
- Demontagezeit und Demontageanleitungen
- Sekundärmaterialanteile
für die Entscheidung zwischen Wiederverwendung, Remanufacturing oder Recycling herangezogen.
Das Ergebnis wird dokumentiert und an Hersteller sowie Zulieferer zurückgespielt.
Feedback to Design
Bislang endet der Datenfluss oft mit dem Ende der Nutzungsphase eines Fahrzeugs. Erkenntnisse aus Demontage und Recycling fließen selten zurück in die Entwicklung neuer Produkte.
EDCar schafft einen geschlossenen Informationskreislauf:
- Demontagebetriebe liefern Rückmeldungen zu Bauteilen und Materialien.
- OEMs und Zulieferer erhalten Informationen über Trennbarkeit, Recyclingfähigkeit und Materialqualität.
- Die gewonnenen Erkenntnisse können direkt in die Entwicklung neuer Fahrzeuge und Komponenten einfließen.
Dadurch wird „Design for Circularity“ ermöglicht und die Wiederverwendbarkeit von Materialien bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigt.
Technische Grundlage
EDCar nutzt die bestehende Catena-X-Infrastruktur als technisches Fundament.
Zum Einsatz kommen unter anderem:
- Cofinity-X für digitale Identitäten und Teilnehmerverwaltung
- Eclipse Dataspace Connector (EDC) für den sicheren Datenaustausch
- Dataspace Protocol (DSP) für Datenzugriffe und Vertragsverhandlungen
- Digital Twin Registry (DTR) zur Verwaltung digitaler Zwillinge
- Semantische Datenmodelle und Materialontologien für eine standardisierte Beschreibung von Materialinformationen
Die eigentlichen Daten verbleiben dabei bei den jeweiligen Unternehmen. Über digitale Zwillinge und standardisierte Schnittstellen können sie kontrolliert und bedarfsgerecht bereitgestellt werden.
EDCar in Niedersachsen
Für Niedersachsen ist EDCar relevant, da die Automobilindustrie und ihre Zulieferer die zentrale Rolle in der Wirtschaftsstruktur des Landes spielen. Die zunehmenden Anforderungen an Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und digitale Produktpässe betreffen OEMs, Zulieferer und Recyclingunternehmen gleichermaßen.
EDCar zeigt beispielhaft, wie bestehende Datenökosysteme miteinander verknüpft werden können, um neue Mehrwerte für Unternehmen zu schaffen. Besonders die Verbindung von Catena-X mit MaterialDigital verdeutlicht, wie Datenräume über Branchengrenzen hinweg zusammenwirken können, um Transparenz, Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.



















































