Datenökosystem Construct-X: Gemeinsam effizienter und nachhaltiger bauen
Steckbrief
Was ist Construct-X?
Construct-X ist ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungsprojekt und Teil der Manufacturing-X-Projektfamilie.
Was macht Construct-X?
Das Projekt soll einen offenen, föderierten Datenraum nach Gaia-X-Prinzipien entwickeln, der alle Beteiligten am Bau (vom Baustoffhersteller bis zum Bauherrn) sicher, souverän und in Echtzeit miteinander verbindet. Das Projekt ist eng verwandt mit anderen „X-Projekten“ der Manufacturing-X-Familie wie Catena-X (Automotive) oder Factory-X (Maschinen- und Anlagenbau) und übernimmt von dort zentrale technische und organisatorische Prinzipien.
Branche: Bauwirtschaft
Ziel: Sichere, standardisierte und souveräne Vernetzung aller Beteiligten entlang der Bau-Wertschöpfungskette, um Effizienz, Resilienz, Nachhaltigkeit und Datensouveränität zu stärken.
Reichweite: Über 900 angeschlossene Organisationen in mehr als 35 Ländern, über 70 App- und Service-Provider, Hubs und Partnerschaften in Europa, Nordamerika und Asien
Projektvolumen: 244 Mio € (Forschungsprojekt August 2021 – Juli 2024). Weitere Finanzierung über die Mitglieder des Catena-X Automotive Network e.V.
Laufzeit: März 2025 bis 28. Februar 2028
Niedersachsen-Bezug: Construct-X schafft wichtige Grundlagen für die Digitalisierung der Bauwirtschaft und ist damit auch für niedersächsische Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Softwareanbieter.
Technische Umsetzung: Datenraum auf Basis von Gaia-X- und IDS-Standards mit Eclipse Dataspace Components (EDC) und der Open-Source-Plattform Eclipse Tractus-X.
Konsortialleitung: HOCHTIEF Engineering
Warum Construct-X?
Die Bauwirtschaft zählt mit rund 400 Milliarden Euro Jahresumsatz und etwa 2,5 Millionen Beschäftigten zu den wichtigsten Wirtschaftsbranchen Deutschlands. Gleichzeitig stagniert die Produktivität seit Jahren. Ein wesentlicher Grund dafür: Die zahlreichen Beteiligten eines Bauprojekts arbeiten häufig mit unterschiedlichen Systemen und tauschen Informationen noch immer per E-Mail, Telefon oder sogar papierbasiert aus. Die Folge sind Medienbrüche, doppelte Datenerfassung, hoher Abstimmungsaufwand und zusätzliche Belastungen für Unternehmen, die bereits unter Fachkräftemangel und steigenden regulatorischen Anforderungen leiden. Construct-X will diese Herausforderungen durch einen gemeinsamen Datenraum lösen.
Use Case 1: Digitale Infrastruktur
Herausforderung
An Bauprojekten arbeiten Bauherren, Planer, Generalunternehmer, Nachunternehmer, Handwerksbetriebe, Hersteller und Logistikdienstleister zusammen. Da diese Netzwerke meist nur für die Dauer eines Projekts bestehen, konnten sich gemeinsame digitale Infrastrukturen bislang kaum etablieren. Hinzu kommt, dass vorhandene Daten oft in unterschiedlichen Softwarelösungen und Formaten vorliegen. Informationen müssen deshalb mehrfach erfasst oder manuell übertragen werden.
Lösung
Construct-X entwickelt einen offenen Datenraum, der alle Beteiligten sicher und in Echtzeit miteinander verbindet. Durch standardisierte Datenmodelle und gemeinsame Schnittstellen werden Informationen maschinenlesbar und durchgängig nutzbar. So wird die digitale Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg ermöglicht.
Use Case 2: Regulatorische Anforderungen
Herausforderung
Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen müssen immer mehr Nachweise zu Nachhaltigkeit, Herkunft und Lieferketten bereitstellen. Die notwendigen Informationen werden häufig mehrfach erhoben. Die Anforderungen lösen Zeitdruck aus und binden Kapazitäten, die angesichts des Fachkräftemangels ohnehin knapp sind. Insbesondere Vorgaben wie die Ecodesign-Verordnung (ESPR), die Bauprodukteverordnung (CPR) oder die CSRD-Berichtspflichten (Corporate Sustainability Reporting Directive) verlangen belastbare und nachvollziehbare Daten über Bauprodukte und Prozesse.
Lösung
Construct-X ermöglicht die strukturierte Bereitstellung und Wiederverwendung von Daten für Berichtspflichten, Nachhaltigkeitsnachweise und Dokumentationen. Ein gemeinsamer Datenraum schafft die Grundlage, relevante Informationen einmal zu erfassen und anschließend projektübergreifend zu nutzen.
Use Case 2: Transparenz und Datensicherheit
Herausforderung
Baufortschritt, Materialverfügbarkeit, Termine und Nachunternehmerleistungen sind oftmals nicht in Echtzeit miteinander verknüpft. Verzögerungen werden daher häufig erst spät erkannt.
Lösung
Durch die Vernetzung von Planungs-, Logistik- und Baustellendaten können Risiken frühzeitig erkannt und Prozesse besser gesteuert werden. Construct-X setzt auf digitale Identitäten, klar definierte Nutzungsregeln und technische Kontrollmechanismen nach Gaia-X-Prinzipien, damit Daten souverän und vertrauenswürdig geteilt werden können.
Konkrete Anwendungsfälle
Construct-X entwickelt insgesamt zehn Use Cases entlang der gesamten Bau-Wertschöpfungskette:
- Digitaler Produktpass (DPP): Transparente Produkt- und Materialdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Für Bauherren und Planer entsteht Transparenz darüber, welches Produkt wo verbaut wurde, von welchem Hersteller es stammt und welche Eigenschaften es hat.
- ESG- und Nachhaltigkeitsberichterstattung: Wiederverwendbare, strukturierte Nachhaltigkeitsdaten für Berichte und Nachweise wie z.B. CSRD-Berichte, CO2-Fußabdrücke oder Asset Information Models.
- Vernetzte Planung: Gemeinsames digitales Abbild im Datenraum eines Bauprojekts über alle Projektphasen hinweg, inkl. Planungs-, Ausführungs- und Logistikdaten.
- Digitale Baupreisermittlung: Über den Datenraum lässt sich das Einholen von Angeboten automatisieren. Inklusive KI-gestützter Suche über Preisdatenbanken und automatisierter Preisvorschläge.
- Baustellencontrolling: Nutzung von Sensordaten zur Echtzeitsteuerung von Projekten.
- BIM-Lean-Bauablaufplanung: Verknüpfung von Termin-, Logistik- und Ausführungsdate, um Bauabläufe stabiler und planbarer zu machen.
- Baustellenautomatisierung und Robotik: Datengestützte Optimierung von Ressourcen und Prozesse anhand von Simulationen und Echtzeitdaten – eine Grundlage für mehr Automatisierung auf der Baustelle.
- Supply-Chain- und Logistikmanagement: Transparente Material- und Lieferketten, bessere Planung für Lagerflächen, Materialflüsse und Lieferungen durch strukturierte Daten.
- Lieferantenauswahl und Risikomanagement: Frühzeitige Erkennung von Risiken in globalen Lieferketten und schnellere Reaktion auf Probleme.
- Digitale Einbaudokumentation: Weniger manueller Aufwand bei Dokumentation und Projektübergabe. Frühere Fertigstellung und effektiviere Terminkontrolle möglich.
Technische Grundlage
Construct-X basiert auf einem föderierten Datenraum nach Gaia-X- und IDS-Standards. Zum Einsatz kommen unter anderem Eclipse Dataspace Components (EDC) als Konnektortechnologie sowie die Open-Source-Plattform Eclipse Tractus-X. Die Architektur umfasst technische Infrastruktur, gemeinsame Datenstandards und ein Datenökosystem, in dem Unternehmen Daten sicher und kontrolliert austauschen können.
Construct-X in Niedersachsen
Für Niedersachsen ist Construct-X besonders interessant, da die Bauwirtschaft und das Handwerk zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen des Landes zählen. Die im Projekt entwickelten Standards und Technologien können künftig dazu beitragen, Planungs-, Bau- und Dokumentationsprozesse effizienter zu gestalten und Unternehmen bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen zu unterstützen.
Als Niedersachsen.next beobachten wir die Entwicklungen rund um Construct-X und weitere branchenübergreifende Datenökosysteme der Manufacturing-X-Familie. Ziel ist es, Unternehmen in Niedersachsen frühzeitig über Chancen, Anwendungsfälle und Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren und den Wissenstransfer in die regionale Wirtschaft zu unterstützen.



















































