Datenökosystem Catena-X: Automotive Network
Steckbrief
Was ist Catena-X?
Das erste offene und kollaborative Datenökosystem für die Automobilindustrie.
Was kann Catena-X?
Es ermöglicht einen sicheren, standardisierten und souveränen Datenaustausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von OEMs bis zu KMU.
Branche: Automobil- und Zulieferindustrie
Ziel: Mehr Transparenz, Effizienz und Resilienz in der Automobilindustrie durch digitale Zusammenarbeit, gemeinsame Standards und offene Schnittstellen.
Reichweite: Über 900 angeschlossene Organisationen in mehr als 35 Ländern, über 70 App- und Service-Provider, Hubs und Partnerschaften in Europa, Nordamerika und Asien
Projektvolumen: 244 Mio € (Forschungsprojekt August 2021 – Juli 2024). Weitere Finanzierung über die Mitglieder des Catena-X Automotive Network e.V.
Gründung: 2021 auf Basis der europäischen Initiative Gaia-X, durch 25 Partner*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Inzwischen weit mehr als 200 Mitglieder.
Laufzeit: Forschungsprojekt 2021-2024, operativer Betrieb seit 16. Oktober 2023.
Niedersachsen-Bezug: Zu den Gründungsmitgliedern zählen Volkswagen AG und Continental AG, zwei Unternehmen mit starker Präsenz in Niedersachsen.
Technische Umsetzung: Das 2023 gegründete Joint Venture Cofinity-X betreibt die Infrastruktur des Catena-X-Datenraums, stellt digitale Identitäten bereit und bietet einen Marktplatz für zertifizierte Apps und Services.
Konsortialleitung: BMW Group
Warum Catena-X?
Die Automobilindustrie steht vor der Herausforderung, dass Informationen entlang der globalen Wertschöpfungskette in unterschiedlichen Systemen, Formaten und Unternehmen verteilt sind. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Nachhaltigkeit, Rückverfolgbarkeit und digitale Zusammenarbeit kontinuierlich. Catena-X wurde geschaffen, um diese Datensilos aufzubrechen und einen sicheren, standardisierten und unternehmensübergreifenden Datenaustausch zu ermöglichen, ohne dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten verlieren. Geteilt werden Daten nur zu den eigenen Konditionen, und das nach dem One-Up-One-Down-Prinzip nur mit direkten Partnern.
Für Unternehmen wird die Teilnahme zudem zunehmend zur strategischen Notwendigkeit. Führende Automobilhersteller wie BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz, Renault oder Ford treiben den Anschluss ihrer Lieferketten aktiv voran und integrieren Catena-X schrittweise in ihre Beschaffungs- und Kollaborationsprozesse. Wer sich frühzeitig anschließt, kann frühzeitig Erfahrungen mit relevanten Anwendungsfällen aufbauen, Prozesse und Infrastruktur vorbereiten und sich als verlässlicher Partner in einem wachsenden Ökosystem positionieren, bevor sich der Anschluss zur Grundvoraussetzung für Geschäftsbeziehungen in der Automobilindustrie entwickelt.
Darüber hinaus entstehen durch Catena-X konkrete Mehrwerte: effizientere Zusammenarbeit, weniger manueller Abstimmungsaufwand, bessere Rückverfolgbarkeit von Produkten und Materialien sowie die Grundlage für neue datenbasierte Geschäftsmodelle. Mit inzwischen über 900 angeschlossenen Organisationen aus mehr als 35 Ländern hat sich Catena-X bereits zu einem globalen Standard für den Datenaustausch in der Automobilindustrie entwickelt.
Zusätzlicher Anreiz durch Vergütung
Aktuell erleichtert das Förderprogramm Data Space Accelerator zusätzlich den Einstieg in das Datenökosystem. Dabei handelt es sich um eine mit 23 Millionen Euro dotierte Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), umgesetzt von der International Data Spaces Association, gemeinsam mit Catena-X und Cofinity-X.
Rund 1.000 kleine und mittlere Unternehmen sollen unterstützt werden. Unternehmen, die den verpflichtenden ersten Anwendungsfall (Company Certificate Management) erfolgreich umsetzen, erhalten dafür eine pauschale Vergütung von 15.000 Euro netto, ohne aufwändigen Kostennachweis. Wer zusätzlich einen zweiten Anwendungsfall umsetzt (z.B. Product Carbon Footprint oder Traceability), erhält weitere 15.000 Euro. Vorkenntnisse im Umgang mit Datenräumen sind dafür ausdrücklich nicht erforderlich und der zeitliche und personelle Aufwand ist überschaubar.
„Entlang der automobilen Wertschöpfungskette existieren bereits heute enorme Datenschätze. Viel zu oft bleiben diese Informationen jedoch in einzelnen Systemen oder Unternehmensgrenzen eingeschlossen und können ihr volles Potenzial nicht entfalten. Catena‑X schafft die Grundlage, diese Daten auf Basis gemeinsamer Standards sicher, souverän und vertrauenswürdig nutzbar zu machen. So entstehen aus isolierten Datenpunkten konkrete Mehrwerte für die Lieferkette. Unsere Aufgabe bei Cofinity‑X ist es, die dafür notwendige Infrastruktur bereitzustellen und den Zugang zum Ökosystem so einfach wie möglich zu machen.“
Thomas Rösch, CEO & Managing Director bei Cofinity-X

Use Case 1: Lieferkettenstörung
Herausforderung
Krisen wie die Angriffe auf Schiffe im Roten Meer oder die Chip-Krise von 2021 bis 2023 zeigen, wie anfällig globale Lieferketten sind. Allein die Chip-Krise verursachte in der deutschen Automobilindustrie Folgekosten von über 100 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen, denen oft die nötige Transparenz und geeignete Frühwarnsysteme fehlen, um Engpässe rechtzeitig zu erkennen.
Lösung
Catena-X schafft mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Schwankende Nachfrage oder Engpässe bei Zulieferern werden sichtbar. OEMs, Zulieferer und weitere Partner können Bedarfsprognosen und verfügbare Produktionskapazitäten in Echtzeit austauschen, ohne die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren. So lassen sich Engpässe wie bei der Chip-Krise frühzeitig erkennen, noch bevor die Produktion tatsächlich stillsteht, und Gegenmaßnahmen einleiten, bevor Lieferprobleme die Produktion beeinträchtigen. Dank der modularen, skalierbaren Architektur können auch KMU mit überschaubarem technischen Aufwand teilnehmen.
Use Case 2: CO₂-Bilanzierung und Digitaler Produktpass
Herausforderung
Regulatorische Vorgaben wie die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), die EU-Batterieverordnung oder die ESPR (umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte) verlangen zunehmend belastbare Informationen zum CO2-Fußabdruck, Materialien und Lieferketten. Viele Unternehmen verfügen jedoch nicht über die erforderlichen Daten oder müssen diese mit großem Aufwand zusammentragen.
Lösung
Catena-X erleichtert die Berechnung und den Austausch von Nachhaltigkeitsdaten und löst damit ein Kernproblem der CO2-Berichtspflichten. Das Datenökosystem bietet dafür ein eigens entwickeltes PCF-Rulebook, das eine einheitliche, unternehmensübergreifend vergleichbare Berechnung des Product Carbon Footprint (PCF) ermöglicht. Unternehmen können Emissionsdaten automatisiert und sicher mit ihren Partnern teilen, statt mit Schätzungen oder Durchschnittswerten zu arbeiten. So entsteht erstmals eine belastbare Datenbasis, um regulatorische Vorgaben zu CO2-Berichten effizient zu bewerkstelligen.
Auch der Digitale Produktpass wird durch Catena-X unterstützt. Er schafft Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus und erleichtert den Nachweis regulatorischer Anforderungen. Gleichzeitig verbessert er die Rückverfolgbarkeit von Produkten und unterstützt Kreislaufstrategien wie Wiederverwendung, Reparatur, Remanufacturing und Recycling. Ein zentrales Beispiel ist der Batteriepass, der den standardisierten Austausch von Informationen zum Lebenszyklus von Batterien ermöglicht, wie Herstellungsdetails, Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeitskennzahlen, Leistungsdaten und Anweisungen zur Entsorgung am Ende der Lebensdauer.
Use Case 3: Rückrufaktionen und Qualitätsmanagement
Herausforderung
2025 waren mindestens zwei Millionen Fahrzeuge von Rückrufen betroffen. Da häufig keine lückenlose Nachverfolgbarkeit einzelner Bauteile besteht, müssen bei Fehlern oft ganze Fahrzeugserien zurückgerufen werden. Die daraus entstehenden Kosten sind erheblich und führen bei OEMs zu hohen Rückstellungen für Gewährleistungsansprüche.
Lösung
Catena-X verknüpft Qualitäts- und Produktionsdaten über Unternehmensgrenzen hinweg zwischen OEMs und Zulieferern. Dadurch lassen sich Qualitätsprobleme und Fehlerursachen möglichst früh erkennen und betroffene Fahrzeuge oder Chargen präzise eingrenzen. Rückrufaktionen können zielgerichteter erfolgen, was Zeit und Kosten reduziert. Darüber hinaus unterstützen Funktionen wie Ursachenanalysen in Echtzeit, Predictive Maintenance und schnelle Identifikation schadhafter Chargen und Teile und den Ausschluss dieser vom weiteren Produktionsprozess auf Knopfdruck.
Catena-X in Niedersachsen
Catena-X hat für das Land Niedersachsen einen besonderen Stellenwert, da Niedersachsen als Autoland Nummer 1 besonders von den Mehrwerten für die niedersächsische Automobil- und Zulieferindustrie profitiert. Niedersachsen.next stützt das Projekt durch seine aktive Netzwerkarbeit in den Fachbereichen Mobilität und Digitalisierung.



















































