Neuer Wind im Life Science Kosmos: Niedersachsen.Next entwickelt Bioprozess-Datenbank
Bioreaktoren spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung neuartiger biotechnologischer Verfahren. Hohe Kosten und Skalierungshürden stellen jedoch vor allem Startups immer wieder vor Herausforderungen. Die Bioprozess-Datenbank von Niedersachsen.Next bringt Klarheit in den Infrastruktur-Dschungel und schafft Synergien zwischen Forschung und Wirtschaft.
Infrastruktur bestmöglich nutzen
„Seit vielen Jahren gibt es innovative Ansätze und Bewegungen in Richtung nachhaltiger Ernährung“, sagt Anna Loraine Hartmann, Themenmanagerin Agrar, Food & Forst bei Niedersachsen.Next. „Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie wir heute und in Zukunft ethisch und ressourcenschonend leben können. Bioverfahren gelten als Schlüsseltechnologien der Zukunft. Durch den Einsatz von Zellen, Hefen, Algen oder Pilzen in Bioreaktoren lassen sich Fleischalternativen kultivieren, die weitaus ressourcenschonender sind als konventionelle tierische Produkte.”
Dafür gibt es bereits einige erfolgreiche Beispiele aus der Praxis: Die Startups Cultimate Foods und Myria Meat kultivieren tierische Stammzellen in Bioreaktoren, um den authentischen Geschmack und die Textur von Fleisch nachzuahmen. Auf diese Weise können Fleischersatzprodukte ohne Tierleid produziert werden. Das Jungunternehmen Phaeosynt setzt ebenfalls auf Bioverfahren, allerdings für einen anderen Zweck. Es nutzt Mikroalgen statt tierischer Zellen, um Antikörper herzustellen, die beispielsweise für Schwangerschaftstests benötigt werden.
Ein Push in Richtung Fortschritt
Die Anwendungsgebiete sind vielfältig, doch brauchen all diese Ideen einen Nährboden, auf dem sie wachsen können. Insbesondere werden Bioreaktoren benötigt, in welchen unter kontrollierten Bedingungen Mikroorganismen oder Zellen kultiviert werden können. Diese Bioreaktoren sind für Startups in der Anschaffung zu teuer, für die Entwicklung jedoch unverzichtbar. „Ein kleines Startup kann zwar noch in einem kleinen Bioreaktor testen, aber um ein Produkt zu kommerzialisieren, muss der Prozess etappenweise und in größeren Bioreaktoren hochskaliert werden“, erklärt Hartmann. Ohne die Skalierung zur Marktreife stagniert der Fortschritt. Der Verlust des Wettbewerbsvorteils ist eine der direkten Folgen einer versäumten Kommerzialisierung. „Wenn wir in Zukunft also wirklich nachhaltig und bioökonomisch wirtschaften wollen, ist die bisherige Infrastruktur nicht ausreichend. Daher geht es uns mit der Bioprozess-Datenbank insbesondere darum, Bedarf und Angebot bestmöglich miteinander in Einklang zu bringen.“
Bioprozess-Datenbank bringt die nötige Transparenz
Bisher mangelte es an einer Übersicht der bereits bestehenden Infrastruktur, welche die Standorte von Bioreaktoren transparent macht. Genau hier knüpft die Bioprozess-Datenbank an und erleichtert es Akteur*innen, ein passendes Match zu finden. Unternehmen, die über einen eigenen Bioreaktor verfügen, tragen sich ein und geben so Startups und kleineren Unternehmen die Chance, ihre Verfahren voranzutreiben. „Das Ganze ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten – es entstehen Synergien zwischen Forschung und Wirtschaft und Innovation werden effizienter vorangetrieben”, resümiert Hartmann.
Als Wirtschafts- und Innovationsagentur des Landes setzt Niedersachsen.next wichtige Impulse im Bereich Bioökonomie.