Von der Idee in die Praxis: Beim 10. EIP-Gartenfest schlagen Innovationen Wurzeln
Das diesjährige EIP-Gartenfest am 2. Juni stand ganz im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Bereits zum zehnten Mal kamen Akteur*innen aus Landwirtschaft, Forschung, Politik und Praxis zusammen, um die Innovationsförderung im Rahmen von EIP-Agri zu feiern und weiterzudenken. Passend zum Jubiläum bot die Veranstaltung gleich mehrere Premieren und Höhepunkte: Neben einer Innovationsmesse, auf der laufende und abgeschlossene EIP-Projekte vorgestellt wurden, präsentierten sich auch neu bewilligte Vorhaben in kurzen Projekt-Pitches.
Bei angenehmen 21 Grad und einem Wechselspiel aus Sonne und Wolken eröffneten Katja Kulke und Fabian Storm vom Netzwerk EIP das 10. EIP-Gartenfest im Garten des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML). Zahlreiche Gäste waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam auf ein Jahrzehnt Innovationsförderung zurückzublicken und Perspektiven für die Zukunft zu diskutieren. Der üppig grüne Garten mit seinem prächtigen Magnolienbaum bot dafür die passende Kulisse.
Nach den Grußworten von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte rückte die zentrale Frage des Tages in den Fokus: Welche Impulse hat EIP in den vergangenen zehn Jahren gesetzt – und welche Innovationen braucht die Landwirtschaft von morgen?
Podiumsdiskussion – Zehn Jahre EIP in Niedersachsen: Was bleibt, was kommt?

Antworten auf diese Fragen suchte die anschließende Podiumsdiskussion mit Dr. Tammo Ripken vom Laser Zentrum Hannover e. V., Maarten Heins vom Hof Bröös, Martina Weber vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium sowie Dr. Henning Müller vom Hof Flemming / Agrotech Valley Forum.
Schnell wurde deutlich, dass der Weg von einer Idee bis zur praktischen Umsetzung oft mit Herausforderungen verbunden ist. Neben Fragen der Finanzierung stellen insbesondere bürokratische Anforderungen viele Projektträger*innen vor große Aufgaben. Martina Weber hob dazu die besondere Stärke des EIP-Netzwerks hervor: „Das EIP hat einen sehr interaktiven Forschungsansatz, bei dem Innovation direkt im landwirtschaftlichen Betrieb entsteht. Das ist der Ansatz, der mich von Anfang an sehr überzeugt hat und von anderen unterscheidet.“
Auch Maarten Heins konnte aus eigener Erfahrung von den Chancen der Förderung berichten. Mit seinem Betrieb gründete er bereits 2016 die erste landwirtschaftliche Algenfarm Deutschlands. „2018 haben wir über EIP den Turnaround hinbekommen. Wir mussten praktisch etwas umsetzen und sind jetzt im achten Produktionsjahr. Das EIP schließt eine wichtige bürokratische Lücke und bringt Praxis und Forschung dichter zusammen“, erklärte er.
Für eine unerwartete Unterbrechung sorgte ein kräftiger sommerlicher Regenschauer. Unter dem großen Magnolienbaum fanden die Teilnehmenden Schutz und nutzten die ungeplante Pause für Gespräche und Austausch. Nach rund einer halben Stunde konnte das Programm fortgesetzt werden.
Claudia Striffler, Referatsleiterin für Innovation, Vernetzung und Transfer im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), ordnete die Bedeutung des EIP-Netzwerks auf Bundesebene ein. Trotz schwieriger werdender Rahmenbedingungen für Förderprogramme bleibe EIP ein unverzichtbarer Bestandteil des europäischen Innovationsökosystems. „Gerade weil die Zeiten für Förderung nicht leichter geworden sind, bleibt das EIP-Netzwerk für das Bundesministerium essenziell für das europäische Ökosystem und die Landwirtschaft. Deshalb setzen wir uns auch in der nächsten Förderperiode für ein starkes EIP und ein starkes ARKIS ein“, betonte sie.
Die Diskussion machte deutlich, was das EIP seit seiner Einführung auszeichnet: Innovation entsteht dort, wo Praxis, Wissenschaft und Forschung gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Projekt-Pitches: Fünf neue Ideen für die Landwirtschaft von morgen
Einen Blick in die Zukunft des Innovationsprogramms boten die Projekt-Pitches. Früher am Tag hatte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte bereits Förderbescheide für 14 neue Innovationsprojekte im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP Agri) übergeben. Für die Vorhaben, die ab sofort ihre Arbeit aufnehmen, stehen insgesamt rund 6,5 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung.
Fünf von diesen insgesamt 14 neuen EIP-Projekten stellten ihr Vorhaben am Nachmittag exemplarisch vor. Die Bandbreite der Themen zeigte, wie vielfältig die Innovationslandschaft innerhalb von EIP ist, die in den kommenden Jahren durch das Netzwerk begleitet und unterstützt werden.
Mario Reil möchte mit seinem Team und dem Projekt KosmoAgrar die Bewässerungssteuerung in Baumschulen deutlich effizienter gestalten. Bislang liefern einzelne Sensoren Informationen über die Bodenfeuchte auf kleinen Flächen. Durch die Kombination dieser Messdaten mit hochauflösenden Satellitendaten wollen die Projektpartner die Aussagekraft der Sensoren auf ganze Anbauflächen übertragen. Ziel ist es, mit wenigen Sensoren präzise Aussagen über den Wasserbedarf großer Bestände treffen zu können – auch unter schwierigen Wetterbedingungen.
Das Projekt SingleTier von Dr. Falko Kaufmann widmet sich dem Tierwohl in der Masthühnerhaltung. Kern des Vorhabens ist die Entwicklung des „ChickenWatchers“, eines kamerabasierten Systems zur automatisierten Erfassung einzelner Tiere. Während Gefiederschäden, Verletzungen oder Gewichtsveränderungen bislang überwiegend manuell und subjektiv bewertet wurden, soll künftig eine KI-gestützte Analyse objektive und kontinuierliche Daten liefern. Das System versteht sich als Unterstützung für die Betriebsleitung und soll frühzeitig auf Probleme aufmerksam machen, bevor größere Schäden entstehen.

Einen Beitrag zur nachhaltigen Pflanzenproduktion leistet das Projekt NarLab. Hintergrund ist der zunehmende Einsatz torffreier Substrate im Gartenbau, die neue Anforderungen an die Nährstoffversorgung stellen. Das Projekt u.a. entwickelt von Thormin Stiegler hat ein vollautomatisches Nährstofflabor zum Ziel, das Nährstoffgehalte in Echtzeit überwachen kann. So sollen Mangelerscheinungen frühzeitig erkannt, Ressourcen gezielter eingesetzt und die Kultursicherheit in den Betrieben verbessert werden.
Digitale Unterstützung für die Schweinehaltung steht für Dr. Anne Appelund Dr. Stephan Rosengart im Mittelpunkt. Ihr Projekt StallView soll mithilfe von Datenbrillen Landwirt*innen, Expert*innen, Tierärzt*innen oder Berater*innen direkt virtuell in den Stall holen. Die digitale Fernberatung soll Wege verkürzen, Kosten reduzieren und gleichzeitig den Wissenstransfer verbessern. Darüber hinaus eröffnet das System neue Möglichkeiten für Aus- und Weiterbildung, indem reale Stallsituationen unmittelbar in Unterrichts- und Schulungsräume übertragen werden können.
Wie sich bislang wenig genutzte Biomasse wirtschaftlich erschließen lässt, untersucht das Projekt HempFill von Michel Finke. Ziel ist es, Hanffasern aus Hanfstroh so aufzubereiten, dass sie als Rohstoff für Papierprodukte, Lederalternativen und weitere industrielle Anwendungen genutzt werden können. So soll ein ganzheitliches Aufbereitungsverfahren neue Wertschöpfungspotenziale erschließen und die Nutzung der gesamten Pflanze ermöglichen.
Die Innovationsmesse: Ideen zum Anfassen
Anschließend konnten sich die Besucher*innen an den Ständen der insgesamt sechs bereits geförderten und noch laufenden Projekte selbst davon überzeugen, wie vielfältig die Innovationslandschaft im EIP-Netzwerk ist.

Das Projekt I-RoBi entwickelt innovative Ernte- und Nutzungskonzepte für Binsen auf Moorstandorten. Ziel ist es, die Bewirtschaftung wiedervernässter Moore ökologisch und wirtschaftlich attraktiv zu gestalten. Die geernteten Binsen sollen künftig als nachhaltiger Rohstoff beispielsweise für Dämmstoffe oder biobasierte Kunststoffverbundwerkstoffe genutzt werden. Einen anderen Ansatz verfolgt das Projekt NextMix, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Futterqualität in Milchviehbetrieben zu verbessern und damit die Gesundheit der Tiere zu schützen. Hintergrund ist, der sich verändernde Wassergehalt von Silagen bedingt durch den Klimawandel. Die Innovation besteht darin, den tatsächlichen Wasser- bzw. Trockenmmassegehalt des Futters mittels Sensoren in Echtzeit zu messen.
Außerdem mit einem Stand bei der Innovationsmesse vertreten waren: BlaubaD – eine Blaulichtdesinfektion zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen, inaviVUS – eine Fern-UV-Behandlung in Geflügelbeständen, die aviäre Influenza Viren inaktiviert, FloraGPT – ein KI-gesteuertes Bewässerungssystem für Anbausysteme mit Torfersatz und LeguTec – ein Projekt, das Pflanzenreste von Hülsenfrüchten als biobasierten Kunststoff nutzt.
Bei einem ausgiebigen Grillbuffet fanden die zahlreichen Eindrücke und Gespräche des Tages einen stimmungsvollen Abschluss – ganz im Sinne des Netzwerks: gemeinsam, praxisnah und mit Blick auf die Zukunft.
Durch das EIP Agri wurden in neun Förderaufrufen bisher105 Innovationsprojekte in Niedersachsen bewilligt. Eine Übersicht über alle Projekte finden sich hier.
Weitere Eindrücke vom 10. EIP-Gartenfest




